Samstag, 3. November 2012

Köln - Friedhof Melaten

Im Großraum Köln gibt es mehr wie 1001 Möglichkeiten sich fotografisch aus zu toben. Köln ist eine alte Stadt. Köln erzählt dem aufmerksamen Betrachter an jeder Straßenecke ein Stück seiner bewegten Geschichte.
Wer sich jedoch nach Ruhe und Stille seht, der sollte Friedhof Melaten im Kölner Stadtteil Lindenthal mal einen Besuch ab statten.

Die Geschichte des Melaten Friedhof reicht bis ins 12.Jahrhundert zurück.
Einst war das Gelände ein Leprosenheim, später Hinrichtungsstätte, und wird erst seit etwa 200 Jahren als Friedhof genutzt.

 Friedhof Melaten besuche ich nun schon seit vielen Jahren.
Hier habe ich einst die Fotografie für mich entdeckt. Inzwischen begleitet mich bereits die dritte Kamera. Und mit jeder neuen Kamera habe ich hier an meinen Fähigkeiten gefeilt, mein Auge geschult, oder mir neue Techniken angeeignet. Egal welchen Schwerpunkt die eignen Interessen gerade haben, Motive dazu finden sich immer reichlich.

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Melaten ist mehr als nur ein Friedhof.
Melaten ist Grünanlage, Biotop, Begegnungsstätte,  Ausflugsziel, Geschichte.
Hier komme ich her, wenn ich keine Kraft mehr habe. Wenn mir alles über den Kopf zu wachsen droht. Wenn Probleme einfach keine Lösung finden wollen. Wenn ich Abstand und ein wenig Ruhe brauche.
So ist es kaum verwunderlich daß es mich auch in diesen schweren und unsicheren Zeiten immer wieder nach Melaten zieht. 

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten ist riesig!
Umgeben von einer hohen Mauer wird dieser Ort mit seinem unglaublich altem Baumbestand zu einer Insel der Ruhe inmitten der Millionenstadt Köln.

Seine 435.000 m² beherrbergen heute ca. 55000 Grabstellen.
Wie groß das wirklich ist, schaut man sich am besten auf Luftbildern an. 
Neben den historischen, vielfach unter Denkmalschutz gestellten Bauten und Statuen finden sich  Prominetengräber ebenso wie Kriegsgefallenen Gedenkstätten und auch unzählige Gräber der Otto-Normal-Bürger Kölns.

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Dirk Bach hat hier vor wenigen Wochen seine letzte Ruhe gefunden.
Bei meinem letzten Besuch habe ich sein Grab allerdings nicht gesehen. Seine Familie hat ein schlichtes Urnengrag gewählt. Wenn man auf Melaten nicht ganz genau weiß wo sich ein bestimmtes Grab befindet, sucht man mitunter Jahre danach.
Köln Tourismus hat es wohl schon gefunden. Ganz zufällig, wie in einem Statement gegenüber der Presse geäußert wird. Dennoch ist es bereits Bestandteil der sogenannten "Prominenten-Führung" auf Melaten. Kostenpunkt: 9€!

Wie ich das finde?
Ich könnte Kotzen!
Als Fotograf auf einem Friedhof bemühte ich mich, niemandem unangenehm auf zu fallen. Von Beerdigungen halte ich mich fern. Ich bemühe mich Trauernden oder Angehörigen bei der Grabpflege nicht zu nahe zu treten. Frische Gräber sind für mich tabu. Für viele ist die Vorstellung das Grab eines geliebten Menschen auf einem Bild wieder zu finden einfach befremdlich.

Köln Tourismus scheint solche Skrupel nicht zu kennen. Dirk Bach ist erst vor wenigen Wochen verstorben. Man sollte Familie und Freunden die Zeit gewähren ihre Trauer verarbeiten zu können, ohne Furcht haben zu müssen an der Grabstelle einer Touristenführung in die Arme zu laufen. Die Grabstelle läuft nicht weg! Man könnte sie auch erst in ein paar Monaten ins Programm mit auf nehmen, wenn der Schmerz der Angehörigen bereits etwas verblasst ist.

Friedhof Melaten / Köln

Obwohl ich nun schon so lange Zeit immer wieder her komme, und mich schon längst nicht mehr verlaufe, entdecke ich doch mit jedem Besuch immer noch Ecken die ich noch nicht kannte. Motive, die ich noch nie wahr genommen hatte. Oder auch welche die, je nach Jahreszeit, eine ganz unterschiedliche Wirkung zeigen.

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Melaten hat zu jeder Jahreszeit seine Reize.
Engel im Schnee sind einfach etwas wundervolles. Wenn wir denn in Köln mal genug Schnee abbekommen! Im Frühling erblühen erst die Gräber, dann die Bäume. Im Sommer dominiert ein sattes Grün, im Wechselspiel mit Licht und Schatten. Und der Herbst vermittelt etwas von Verfall und Vergessen.

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Wie die Friedhofsgärtner mit solchen Laubmassen fertig werden?
Mit Schaufelbaggern. Ganz ohne Witz!

Friedhof Melaten / Köln

Manches Motiv lädt gar zum Spielen ein. Die eignen Fähigkeiten aus reizen. Oder die Möglichkeiten der Kamera. Letztlich kann man sich dann nicht entscheiden welches Bild man veröffentlichen will und zeigt deshalb gleich alle drei! :-)

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln

Überhaupt, ich liebe diese Gegenlicht Spielchen. Und ich liebe meine aktuelle Kamera dafür, daß sie dies so grandios mit macht. Zumal die goldene Oktobersonne ein wirklich interessantes Farbspektrum liefert.

Friedhof Melaten / Köln

Friedhof Melaten / Köln


Die übliche Teepause.
Wer stundenlang in "freier Wildbahn" fotografiert sollte nicht nur an den Akku der Kamera denken, sondern auch an seinen eignen zwischendurch mal aufladen.

Friedhof Melaten / Köln

Schon eigentlich auf dem Heimweg passierte dann noch etwas, auf daß ich gern verzichtet hätte. Was aber irgendwie auch schon lange überfällig war. Und was einfach verdammt gut in dieses besch...... verf..... Jahr passt!
Die Augen auf die historische Trauerhalle gerichtet, haben meine Füße zuverlässig das einzige Schlagloch auf diesem Weg gefunden, und mir glatt die Beine weg gerissen.

Friedhof Melaten / Köln

Die Kamera flog im hohen Bogen aus meiner Hand und schlitterte über den Asphalt. Meine Knie schlugen nicht minder hart auf. Da saß ich dann erst mal auf dem Boden der Tatsachen und musste meine Sinne sortieren. Mein Kopf war gerade eben doch noch 1,50m weiter oben!?

Geholfen hat mir (wen wundert es?) ein anderer Fotograf. Nachdem er sich nach meinem Befinden erkundigt hat, hob er behutsam meine Kamera auf und vermeldete "Das Objektiv ist noch heile und ein schalten lässt sie sich auch noch". Puuhhh!
Der nette Mensch hat mich dann noch bis zur Bahn begleitet. Der lange Heimweg mit dem ÖPNV, durch die Kölner Rush Hour, mit drei mal Verkehrsmittel wechseln, war dann aber leider noch äußerst schmerzhaft.


Kommentare:

  1. Du lässt aber auch nichts aus in diesem Jahr gelle.
    Ich hoffe du hast dir nichts getan!
    Trotzdem gute Besserung.
    Ich bin vor Wochen auf den Steiss gefallen und ohne Medizin geht immer noch nichts...

    Zum Glück hattest du Hilfe und zu allem ist der Kamera scheinbar auch nichts passiert.
    Doppeltes bzw. dreifaches Glück.

    Du siehst, es geht Berg auf,
    der Jahr nähert sich dem Ende ;-)
    Immer dran glauben!!!!

    Ich grüsse dich ganz ♥-lich

    AntwortenLöschen
  2. Nein, ich lasse gar nichts aus, dieses Jahr!
    Nicht mal, daß ich versehentlich meine eigenen Kommentare lösche! :-/

    Also noch mal:
    Meine Knie sind ordntlich zerschrammt und schillern in strahlendem Grün-Gelb-Blau.
    Die Kamera hat nun einige Kratzer, vor allem am Display. Und das LED ist unten rechts gerissen. Ansonsten scheint sie noch zu funktionierne.

    Welch ein Glück daß das Jahr fast vorüber ist.
    Doch was kommt dann? Ich könnte zur Abwechselung mal gute Nachrichten vertragen.

    LG

    AntwortenLöschen

Werte Blogleser

Die Kommentar Funktion steht ab sofort nur noch registrierten Google Nutzern zur Verfügung.

Danke für euer Verständnis

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...