Sonntag, 18. November 2012

St.Martin II.

Noch so ein Nachtrag: St.Martin in der Schule.

Irgendwie nicht halb so schön wie die Martinsfeier beim 1.FC Köln neulich. Obwohl die Teilnehmerzahl in ungefähr gleich sein dürfte. Warum?

St.Martin

Weil sich die ganze Schule (13 Klassen oder Gruppen) auf dem abgeschlossenen Innenhof (auch der "kleine Schulhof" genannt) versammelte und sich ALLE Teilnehmer erst durch eine Doppeltüre drängen müssen wenn der Laternenumzug dann endlich los geht. Und weil es keine geordente Aufstellung der Klassen gibt. Alle gehen gleichzeitig los, alle drängen und schieben, und drücken und.......

......Duisburg lässt freundlich grüßen. Schon seit Jahrzehnten geht das an dieser Schule so. Genau genommen seit ICH diese Schule einst besuchte. Mich wundert ehrlich daß da nie etwas schlimmeres passiert ist, wie eine zerdrückte Laterne oder verlorene Handschuhe!

Ich bin als Ordner und Schlußlicht der Gruppe der Förderschule mit gegangen. Heißt, ich bin hinter unserer Gruppe her gelaufen, habe die Quaschmütter mit Kinderwagen zur Eile angetrieben, oder verlorene Kinder eingesammelt und wieder zur Gruppe gebracht. Ein echtes Highlight war eine Oma, gehbehindert und am Stock humpelend, welche aber unbedingt mit gehen musste. Und natürlich das Tempo der Kinder nicht halten konnte. Die absolute Krönung war aber die Mutti mit Kinderwagen, die irgendwann bemerkte daß ihr Kleinkind einen Handschuh verloren hatte, und mitten im Zugweg stehen blieb um panisch nach dem Handschuh zu suchen. Die nachfolgenden Klassen strömten rechts und links an uns vorbei. Gedränge kam auf, ect. Nach der dritten Aufforderung bitte weiter zu gehen, habe ich mir die beiden Laternenkinder der Frau geschnappt, mich mit ihnen wieder in unsere Gruppe eingeordnet und die Mutti sich und ihrem verlorenen Handschuh überlassen. 

St.Martin

Fix und fertig mit den Nerven kamen wir endlich am Feuer an und ich war froh die Verantwortung bald wieder los zu sein. Und was bin ich froh daß meine Jungs groß, selbständig und vernünftig genug sind , inzwischen auch ohne meine Begleitung in ihren Gruppen mit zu laufen.

Als die Klassen in ihre Klassenräume gingen um den Weckmann in Empfang zu nehmen, kam das Kindlein auf mich zu, drückte mir seine Laterne in die Hand, und verschwand wieder in der Menge. Er wollte sich nur das Feuer noch ein wenig ansehen, war seine unschuldige Erklärung. Hilfe, meine Nerven! Daß dieses Kind aber auch immer seinen eigenen Weg gehen muss!

St.Martin


Nach dem offiziellen Teil zogen eine Freundin und ich noch zusammen mit den Kindern um die Häuser. Martinssingen, nennt man diese Tradition hier. Die Kinder gehen von Haus zu Haus, und tragen Lieder vor. Belohnt werden sie mit Süßigkeiten, Obst wie Äpfeln und Orangen, oder auch Nüssen.
Schon wenige Kilometer außerhalb von Köln ist diese Tradition meist wieder völlig unbekannt, wie wir einst verwundert fest stellen mussten. Von klein an in den Bräuchen verwurzelt ist einem gar nicht bewusst daß so manches regional begrenzt ist.


St.Martin

Spät am Abend kamen wir heim.
Der Gatte fragte: "Und, wie war es?"
Die Kinder antworteten: "Toooolllllll!"
Von mir war nur noch ein leises Stöhnen zu vernehmen.

Fazit: Es muss gut gewesen sein! :-))

Kommentare:

  1. Ich kenne das aus meiner alten Heimat (Norddeutschland) auch nicht, aber St. Martin ist ja auch ein katholischer Heiliger. Trotzdem brauchen auch da die Kinder nicht auf einen Laternenumzug zu verzichten, allerdings gibt es hinterher kein Singen für Süßigkeiten, das findet in ND seltsamerweise an Karnevalsdienstag statt.

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    1. Daß Kinder anderswo zu anderen Gelegenheiten singend um die Häuser ziehen habe ich jetzt schon öfters gehört. Aber Karneval braucht hier ja niemand singen gehen. Da kommen die Süßigkeiten ja auch ganz anderen Wegen zu einem in den Beutel! ;-)

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