Freitag, 27. Februar 2015

Back to Reality

Langjährigen Lesern und Facebookfreunden mag aufgefallen sein, daß ich seit Mitte 2013 kaum noch etwas persönliches gebloggt habe. Das basierte auf einem einfachen, aber höchst wirkungsvollen psychologischen Trick den ich bei der Familienhilfe gelernt habe.
Fokusverlagerung!
Sieh das Positive, erinnere Dich vor allem an das Schöne und Gute, und halte an diesen Erinnerungen möglichst lange fest!

Bei mir waren das Stricken, Ausflüge, Freundschaften, Geburtstage, Feierlichkeiten, und nicht zuletzt mein heiß geliebter Ikea Stricktreff. Der Gatte ging zum Fußball, zum Eishockey, zum Karneval. Wir alle zusammen waren im Zoo, in Museen, im Freizeitpark, im Kino, haben gepicknickt, oder sind hin und wieder lecker Essen gewesen.
So lange es ging haben wir alles gemacht was uns möglich war. Bemüht Sorgenfrei, der Gatte auf den eigenen zwei Beinen, jede Minute davon bewusst genießend.

Doch auch wenn man seinen Alltagssorgen bewusst keinen großen Raum einräumt, so bleibt das Schreckgespenst aus 2012 leider doch irgendwo im Hintergrund am leben.
In den letzten Wochen hat sich der gesundheitliche Zustand des Gatten wieder arg verschlechtert. Schleichend zunächst, aber irgendwann unübersehbar. Wurde der Gehstock früher schlichtweg abgelehnt, ist er in letzter Zeit zum treuen Begleiter geworden.

Auf meine Frage "Hast Du ein Problem mit Symtom XY?" antwortete der Gatte neulich mit "Weiß nicht. Ich denke da am liebsten gar nicht drüber nach."
Eine typisch männliche Eigenschaft? Ausblenden und verdrängen!
Ich wünsche mir oftmals ich würde ebenfalls über diese Fähigkeit verfügen.
Doch ich bin derjenige der sorgenvoll Richtung Zukunft schaut. Derjenige der jene Dinge im Blick hat, die nun unausweichlich auf uns zu kommen werden. Denn realistisch gesehen ist es keine Frage des"OB", sondern eher eine Frage des "WANN". Und die Hoffnung auf Besserung habe ich bereits vor zwei Jahren zu Grabe getragen.

Nun ist es also an der Zeit uns auf einen weiteren Lebensabschnitt vorzubereiten.
Dazu gehören diagnostische Verfahren und entsprechende Gutachten. Etliche Anträge bei Versorgungsamt, Rentenversicherung und Arbeitsamt. Neustrukturierung unseres gesamten Lebensalltags. Und nicht zuletzt auch die Suche nach einer Barrierefreien Wohnung.

Auch die Kinder haben natürlich längst realisiert daß Veränderungen ein treten, auch wenn wir versuchen die größten Sorgen von ihnen fern zu halten.  Sie stellen sehr spezielle Fragen. Nicht alle davon kann ich momentan beantworten.

Nicht zum ersten mal frage ich mich welch einen Einfluss unsere Lebenssituation auf die Persönlichkeiten der Jungs haben wird.  Schon jetzt sind Beide deutlich anders gestrickt wie die meisten Kinder ihres Alters oder Umfelds.
Der Teenager fällt überall extrem positiv durch Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Höflichkeit auf. Ich werde oft von Menschen aus unserem Umfeld angesprochen, weil er z.B. im Bus seinen Sitzplatz an bietet oder der alten Nachbarin von nebenan die Tasche heim trägt.
Der Kleinere ist eher zurückgezogen und eigenbrötlerisch. Flüchtet sich in Bücher oder Hörbücher und tut sich generell schwer mit Freundschaften, was vor allem seiner Lehrerin arges Kopfweh bereitet weil er immer mehr zum Außenseiter wird. 

Doch auch wenn sich die Situationen ähneln, etwas ist anders als damals in 2012.
Das Stricken!
Stricken beruhigt. Stricken wirkt wie Yoga. Stricken räumt den Kopf auf und hält die Hände beschäftigt, damit der Geist zur Ruhe kommen kann.
Der Ikea Stricktreff ist zudem mein ganz persönliches sorgenfreies Refugium geworden, aus dem viele neue Freundschaften entstanden sind. Egal wie viel ich um die Ohren habe, bei meinen Strickmädels fällt alle Anspannung ab. Hier kann ich alle Sorgen für ein paar Stunden beiseite schieben und sogar dann lachen, wenn ich mich völlig erschöpft und depressiv fühle.
Das gibt mir Kraft, Rückhalt und Stabilität. Jeden Monat aufs neue!
Dafür bin ich unendlich Dankbar!

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