Freitag, 20. Februar 2015

Frau Photoauge im Rausch der Farbverläufe

Wolle die es nirgends zu kaufen gibt ist für mich:
Handgefärbte Farbverläufe auf dicken Sockenwollgarnen!

Warum das so ist?
Es ist schlicht unbezahlbar, weil es einfach unglaublich aufwendig ist!
Denn vor dem Färben muss jeder Strang Wolle erst mal komplett abgestrickt werden.


Drei Stränge hatte ich mir vorbereitet.
Gefärbt habe ich wieder mit Lebensmittelfarben.

Mein erster Versuch sollte ein Regenbogenstrang  aus sechsfädiger Sockenwolle werden.
Hierzu habe ich Einwegspritzen als Dosierhilfe genommen.


Den zweiten Strang sechsfädiger Sockenwolle habe ich als Sockenklecks mit sich wiederholender Farbfolge gefärbt. Hier waren leere Spüliflaschen die Dosierhilfe meiner Wahl. Nur das Lila wollte ich etwas genauer unter Kontrolle halten und ist deshalb auf Einwegspritze geblieben.


Und weil aller guten Dinge eben drei sind, gab es noch ein weiteres Experiment.
Dicke achtfädige Sockenwolle, als Sockenklecks mit willkürlicher Farbfolge.


Sehen aus wie Luftschlagen, meinte eine meiner Damen vom Stricktreff:


Die schlimmste Phase ist für mich immer das trocknen.
Ständig renne ich zur Wolle, zuppel hier, sortiere dort, hänge alles mehrfach um, damit die Wolle schön fluffig wird und möglichst schnell trocknet. Es dauert trotzdem seine Zeit. Echt schwer für mich. :-P


Und dann muss man noch warten, bis das Wetter sich begnügt und einem ein klein wenig Tageslicht schenkt. Im Winter nicht immer so einfach!


Diesen Strang hier habe ich "Regenbogenbunt" getauft:


Aufgrund eines Kommentars in meiner Facebook Gruppe heißt dieser Sockenklecks nun "Sommerfrüchte":


Und dieser hier hat den Namen "Frühlingsfrisch" erhalten:


Nun noch etwas in eigener Sache:
Nach meinen ersten Färbe-Experimenten neulich bin ich oft gefragt worden ob Wolle selbst zu färben schwierig sei.
Ich finde, auf diese Frage gibt es keine einfache Ja oder Nein Antwort.

Es ist nicht all zu schwer ein wenig Lebensmittelfarbe auf Wolle zu bringen.
Wie bei jedem Handwerk sollte man sich jedoch zuvor ausreichend mit den Grundlagen beschäftigen. Sich über die verschiedenen  Techniken sowie den Rohmaterialien informieren, ein grundlegendes Verständnis der Farblehre an eignen, und nicht zuletzt die passenden Hilfsmittel wählen und an schaffen. Außerdem ist ein bißchen Erfahrung im verstricken von handgefärbter Wolle sehr hilfreich.
Wenn man nicht weiß wie Wolle aus zu sehen hat, damit sie beim stricken entweder hübsch wildert oder Farbpole bildet, der wird dies auch durch eigene Färbungen nicht zustande bringen können. Und wer nicht weiß wie sich Farben vermischen wenn sie ineinander laufen, der braucht sich über braune Farbkacke nicht wundern.

Ich persönlich habe mich im Vorfeld schon ca. sechs Monate lang mit dem Thema beschäftigt. Vor allem mein Besuch bei Tausend und eine Farbe by Marilu Design im Sommer 2014 hat mir ein umfassendes Hintergrundwissen vermittelt.
Meine Ergebnisse erhalte ich in erster Linie dadurch, daß ich mir für jeden Strang Wolle bereits Tage im voraus ein Farbkonzept überlege und mir Gedanken mache wie das Strickstück hinterher aus sehen sollte.
Wer einfach so drauf los legt, wird solche Ergebnisse mit Sicherheit nicht erzielen können.


Wie bereits oben erwähnt steckt ein unglaublicher Arbeitsaufwand hinter Färbungen mit Farbverläufen. Zuerst muss ein Strang abgestrickt werden, dann wird eingeweicht, das Färben in kurzen Abschnitten nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch und setzt große Sorgfalt voraus, danach ausspülen und waschen, nach dem trocknen ribbeln um alles zum Knäul zu wickeln, abschließend wird zum glätten noch einmal kurz gedämpft.

In JEDES EINZELNE dieser drei Knäul hier habe ich so ca. 2,5 Stunden Arbeitszeit investiert.
Ohne Einweich- oder Trockenzeiten! Die kommen noch dazu.
Verkaufspreis? Geschätzte 25€ bis 30€. 


Und weil dies natürlich kaum Jemand bezahlen würde, wird dies von den Färberinnen natürlich auch nicht angeboten. Ich kann es verstehen.
Aber nun weiß ich ja wie es geht und kann mir jederzeit selbst welche färben. :-)




Kommentare:

  1. Danke für diesen Einblick! Ich wusste bis dato auch nicht, wie aufwendig das ist und denke, die meisten Strickerinnen sind genauso ahnungslos. Wieder was gelernt :-) Superschöne Färbungen Hast du gemacht!

    Liebe Grüße, Tina

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    1. Es ist wirklich irre viel Arbeit.
      Ich habe es gewusst, war vom Ausmaß dann aber trotzdem noch etwas geschockt.
      Habe einen ganzen Vormittag gebraucht für diese NUR drei Stränge.
      In dieser Zeit macht eine professionelle Färberin ein ganzes Wäschereck mit herkömmlichen Strängen voll.

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