Samstag, 24. Juni 2017

Sternenkissen für Verliebte

Im Mai hatte der Freund des Teenagers Geburtstag.
Lieblingsfarbe und Schuhgröße waren zwar bekannt, aber für ein romantisches Geschenk unter Teenagern sollte es doch etwas anderes werden als ein Paar Socken.

Nach einigem Überlegen und auf Pinterrest stöbern haben wir uns schließlich für ein Sternenkissen entschieden. Wie so oft habe ich mich nicht genau an die Anleitung gehalten, und mal wieder mein ganz eigenes Ding draus gemacht.
Aber seht selbst:


Anstatt der breiten Balken an den Übergängen der Nadeln, habe ich einen zart geschwungenen Propeller eingearbeitet.


Die handgefärbte Wolle hat dabei eine ganz wunderwolle Marmorierung entwickelt.


Auch in die Zacken habe ich diesen sanften Schwung eingearbeitet, anstatt sie wie in der Anleitung  spitz zu laufen zu lassen. Die Handhabung des Strickstücks wurde allerdings mit jeder Zacke etwas komplizierter.


Nach dem Füllen und Stopfen der ersten vier Zacken konnte man schon erahnen, welch ein hübsches Kunstwerk es werden würde.


Anschließend habe ich noch die Mitte vernäht, die Fäden durch das Kissen hindurch gezogen und jeweils fest mit der anderen Seite fixiert. Einen Knopf oder ähnliches habe ich allerdings nicht ein setzen wollen.


Nun war der Teenager an der Reihe.
Er hat noch eine hübsche Karte mit persönlicher Widmung gebastelt.
Zusammen haben wir das Sternenkissen in Folie eingeschlagen und mit farblich passendem Band verziert.


Für den besseren Transport haben wir beides zusammen in eine große (romantische) Geschenktasche gesteckt. Außerdem wurde noch ein Schokoladenherz dazu gelegt.
Damit hat der Teenager nicht nur seinen Freund verzaubert, sondern auch gleich das Herz der Mutter für sich eingenommen.


Verstrickt habe ich diesen tollen wunderbar weichen handgefärbten Strang High Twist aus dem Hause der  Kieler Wolle.


Ich kann derzeit nicht genau sagen ob es für meine Variante des Sternenkissens irgendwo bereits eine Anleitung gibt. Derzeit arbeite ich an einem zweiten Sternenkissen und fertige viele Schritt für Schritt Bilder dazu an. Wenn ich mir sicher bin damit keine Urheberrechte zu verletzen, werde ich damit eine Kurzanleitung hier auf meinem Weblog zusammen stellen.



Sonntag, 18. Juni 2017

Unser queerer Teenager !

Was würdest Du tun, wenn dein Sohn irgendwann mit einem Freund nach Hause kommt?
Nunja, ich denke ich würde Kuchen machen! Und vielleicht nen Kaffee.

Was sollte man tun, wenn der Sohn einem gesteht, dass er schwul ist?
Oder die Tochter, dass sie lesbisch ist?
Auf jeden Fall erst mal in den Arm nehmen!
Denn solch ein Outing kostet ganz unglaublich viel Mut.
Und zeigt doch gleichzeitig, dass das Kind auch als Teenager den Eltern immer noch uneingeschränktes Vertrauen entgegen bringt.

Und dann?
Dann beginnt eine Reise bei der sich Eltern und Teenager neu kennen lernen werden.

Das Outing verändert alles. Und gleichzeitig auch nichts.
Vielleicht erklärt sich plötzlich das ein oder andere Verhalten des Teenagers, welches zuvor zwar aufgefallen sein mag aber nie so richtig erklärbar war.
Mitunter müssen die Eltern über ihren Schatten springen, sich von Wunschvorstellungen lösen, oder Vorurteile beiseite schieben.
Doch der Teenager ist und bleibt immer noch das gleiche Kind, welches man so viele Jahre lang behütet und beschützt hat!

Die Zeit nach dem Outing ist eine sehr sensible Phase. Für beide Seiten.
Wir als Eltern haben es in der Hand ob aus unserem Teenager eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit werden kann. Und gleichzeitig die Macht, unserem Kind das Leben für immer sehr schwer zu machen.
Sexuelle Identität ist immens wichtig für unsere Teenager. Zumindest dann, wenn sie aus der Reihe tanzen. Akzeptieren wir als Eltern ihre Andersartigkeit, fällt es auch unseren Teenagern leicht sich selbst zu akzeptieren.
Geben wir ihnen ein Nest, in dass sie jederzeit zurück kehren können, geben wir ihnen die nötige Sicherheit um mit jedem Problem im Leben fertig werden zu können!


WIE DAS BEI UNS WAR?

Obwohl ich reichlich Umgang mit schwulen Männern habe, war ich nicht in der Lage zu sehen was ich direkt vor meiner Nase hatte! Erst ein liebevoller Hinweis aus meinem schwulen Freundeskreis öffnete mir die Augen. "Hey, also, Du hast es wahrscheinlich nicht gemerkt, aber rede bei Gelegenheit mal mit deinem Teenager. Und bereite bitte deinen Mann vor."

Bis heute bin ich unglaublich dankbar für diesen Hinweis!
Der Teen war damals in einer Phase wo er sehr schnell gereizt bis dezent aggressiv war, aber gleichzeitig bei uns als Eltern unglaublich viel Schutz und Rückhalt suchte. Nachdem seine Sexualität innerhalb der Familie einmal an- und ausgesprochen war, wurde vieles leichter.

In den kommenden Wochen haben wir unseren Teen liebevoll bei seiner Selbstfindung begleitet. Haben immer wieder signalisiert: Egal welches Problem Du hast, egal welche Fragen Du hast, rede mit uns.
Und wir haben sein Geheimnis gehütet. Außerhalb der Familie wusste in den ersten Monaten niemand etwas. Wir haben gewartet bis unser Teen genug Selbstakzeptanz entwickelt hatte dies selbst zu entscheiden.
Als nächsten Schritt haben wir unserem Teen die Möglichkeit gegeben in einem LGBTI Jugendtreff  andere queere Jugendliche kennen zu lernen. Zu merken dass er nicht alleine ist, dass es noch viele andere wie ihn gibt, und dass das alles ganz normal ist hat unserem Teen sichtlich gut getan. Auch seinen ersten Freund hat er dort kennen gelernt.

Leider hat unser Teen auch begonnen extrem in der Schule zu leiden. Das Umfeld dort war Homophob bis Asozial. Die Lehrer waren zwar bemüht, aber leider doch Machtlos. Zuletzt ging der Teen mit der Angst zur Schule, jemand könnte sein Geheimnis entdecken.
Uns war schnell klar, da hilft  nur ein Schulwechsel! Am besten über die Stadtgrenze hinaus. Alles auf Anfang. Und Neustart bitte! Wir hatten Glück. Der Teen besucht jetzt eine Schule an der großen Wert auf Toleranz, Respekt und Vielfalt gelegt wird.
Inzwischen fühlt er sich dort so dermaßen wohl, dass er komplett geoutet ist. Bis auf eine einzige Ausnahme wird er von allen akzeptiert und auch respektiert.

Im Laufe der Monate hat sich das Wesen unseres Teens sehr gewandelt.
Er ist unglaublich stark und selbstbewusst geworden. Keine Spur mehr von Angst, oder diesem erzwungenem Macho Gehabe von früher. Statt dessen ist er jetzt oftmals sehr fürsorglich und liebevoll. Er übernimmt gerne Verantwortung für andere. Packt im Haushalt mit an, und möchte bei mir Kochen lernen.
Einen queeren Teenager zu haben, kann ich jeder Familie nur wärmstens empfehlen!

Und was macht unser Umfeld so? 

Unser Großvater hat sich definitiv den Titel "Opa des Jahres" verdient! Trotz seiner alten Tage hat er keinerlei Probleme, und geht sogar zusammen mit Teen plus Freund hier vor Ort in die Eisdiele. Ganz offen auf der Außenterrasse!
Und die Nachbarschaft? Die darf seit einigen Wochen über die deutlich sichtbaren Regenbogenflaggen im Fenster tuscheln. Was sie davon halten weiß ich allerdings nicht. Bisher hat sich niemand getraut uns darauf an zu sprechen.



Was ich unbedingt noch sagen möchte:
Egal was eure Teenager auch sind, ob hetero- homo- oder vielleicht sogar transsexuell; ob lesbisch, schwul, Bi- oder gar Intersexuell..... es liegt nicht an euch Eltern!
Niemand hat irgendetwas falsch gemacht. Und es ist auch keine Frage der Erziehung. Eure Teenager wurden so geboren. Es schlummert schon viele Jahre in ihnen.
Akzeptiert sie, wie sie sind. Und liebt sie, wie zuvor. Es sind ganz wundervolle und einzigartige Menschen, wenn ihr ihnen nur die Möglichkeit gebt so zu sein wie sie eben sind!





Mittwoch, 14. Juni 2017

Blaue Wundersocken

Eines der vielen Projekte die schon lange fertig - und ebenso lange bereits verschenkt sind- sind die blauen Wundersocken.
Wundersocken deshalb, weil ich bei der Auswahl der Wolle nicht so genau wusste was für Socken daraus entstehen würden. Inzwischen habe ich wahrlich genug Erfahrung um zu wissen, wie sich handgefärbte Wolle beim stricken in ungefähr verhalten wird. Ich sage immer "die Wolle spricht zu mir".

Diese drei wunderschönen handgefärbte Stränge Fine Merino Socks von Lanartus wurden von Color loves Woll verbuntet, und sind so ganz anders als alles wofür ich mich sonst entscheiden würde. Doch genau das hat mich in diesem Fall gereizt. Manchmal braucht Frau ja auch neue Herausforderungen.


Ich wusste nur eines sicher: Die Wolle würde auf keinen Fall wildern.
Eher würde es Musterfressend ringeln.
Ich habe trotzdem erst mal einen Teststrick versucht.


Nach einigem überlegen habe ich mich schließlich dazu entschieden zwei der Stränge miteinander zu kombinieren.


Dann habe ich mein Prinzessinen Muster für diese Socken gewählt. Und sogar noch etwas weiter entwickelt. Das Stricken lief daraufhin fast wie von selbst.


Die Fine Merino Socks sind wirklich eine ganz fantastische Qualität. Weich und anschmiegsam, und außerdem super sauber verzwirnt. Für Socken fast schon zu schade, und ganz sicher auch für wunderbare Tücher, Oberteile oder Jacken zu verwenden.


Beim Shooting wurde ein weiteres kleines Wunder nötig. Egal welchen Hintergrund ich auch wählte, nie ist es mir gelungen die vielen Details vernünftig heraus arbeiten zu können.
Irgendwann kam mir die Idee die Socken auf dem kreativ genutztem Schreibtisch des Kindes zu stellen. Solch unruhige und überladene Hintergründe mag ich ja eher weniger gern. Doch für die blauen Wundersocken war der Schreibtisch die Lösung schlechthin.


Und nun zu den Details:
Den Bund habe ich flexibel angeschlagen und mit 2/2 Rechts/Links Rippen gearbeitet.


Im Schaft habe ich vorne die Zöpfe der Prinzessinen Socken gestrickt, und diese sogar noch weiter entwickelt. Hinten habe ich unterschiedlich breite Rippen eingearbeitet.


Details von den Zöpfen:
An den Seiten einfache Überkreuzungen, in der Mitte hübsch ausgearbeitete Geweihe, und dazwischen linke Rippen sowie rechts verschränkte Linien.


Auf den Detailbildern sieht man auch deutlich die gute Qualität der Wolle.
Ein absolut sauberes Strickbild mit Null Fusselung, selbst in der Nahaufnahme, sprechen für sich.
Auch die Färbung von Color Loves Wool möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich loben. Sehr gründlich und sehr gleichmäßig durchgefärbt!


In der Herzchenferse habe ich die unterschiedlich breiten Rippen des Schaftes weiter geführt.


Die Spickelabnahmen habe ich auf die dritte Masche der Nadel gelegt, so dass die letzte Rechts Rippe von Schaft auch nach der Ferse eine Weile weiter läuft.


Den Abschluss bildet dieses mal eine runde Schneckenspitze.


Als kleine Zugabe habe ich außerdem noch eine farblich identische Mini Socke als Schlüsselanhänger gezaubert.


Aus den Resten dieses Garns werde ich mir wahrscheinlich noch hübsche Armstulpen stricken.  Ich möchte dieses Garn auf der Haut tragen!

Bei Color Loves Wool gibt es neben vielen weiteren tollen Qualitäten mit wunderschönen Färbungen übrigens auch handgefärbtes Spinnfutter.  So für all jene, die neulich durch diesen Blogbericht mit dem Spinnvirus infiziert wurden...... *flöt*






Montag, 12. Juni 2017

Von der Schwierigkeit den richtigen Weg zu finden......

Meine Stammleser und Freunde haben es sicherlich schon bemerkt: Mein Blog schläft mal wieder ein.
Dabei ist es nicht etwa so, als wenn es mir an Themen mangeln oder ich nicht mehr stricken würde. Nein, derzeit stehen gleich 15 vorbereitete Postings in der Warteschlange und warten darauf dass ich endlich mal zu Potte komme.

Wenn mein Blog ein zu schlafen droht, bin ich entweder sehr sehr beschäftigt oder mir geht es nicht besonders gut. Leider bin ich momentan nicht nur sehr beschäftigt, sondern mir geht es auch noch ...... MISERABEL!

Schon im März war mir das erste mal bewusst, dass ich mental ab zu stürzen drohte. Kummer und Erschöpfung wurden übermächtig, und "das Loch" das sich vor mir auf tat war dergestalt dass ich befürchtete dort ohne Hilfe nicht aus eigener Kraft heraus zu finden.

Dabei ist es gar nicht mal so, als wenn ich nicht wüsste warum ich seelisch bin, wo ich eben derzeit bin. Ich habe so viel erlebt, so viel geleistet, und so vieles durchlebt in den letzten beiden Jahren dass man damit locker zwei wenn nicht sogar drei Leben hätte füllen können. Das hat seine Spuren hinterlassen.

Die Erkrankung des Gatten, und dieses unsagbar anstrengende Jahr 2015. Die große OP am Rückenmark, deren Ausgang niemand so genau prognostizieren konnte. Lange Klinik- und Reha-Aufenthalte. Der ständige Kampf um wirklich alles. Mit dem Jobcenter. Mit der Krankenkasse. Mit der Rentenversicherung. Mit dem Versogungsamt bezüglich dem Grad der Behinderung. Mit dem Jugendamt um begleitende Hilfen für meine Jungs. Und nicht zuletzt die Existenzängste! Der Verlust von Freundschaften, und die Aufgabe meines Stricktreffs.

2016 verliert der Seelenstreichler unter sehr dramatischen Umständen seinen Lebenspartner. Ich versuche auf zu fangen und ab zu wenden, was immer und wann immer ich kann. Erlebe jeden Zusammebruch, und jeden Zweifel hautnah mit.
Ich lerne den Herzmenschen kennen, der mir schnell recht wichtig wird. Und im Herbst helfe ich dem Seelenstreichler beim Umzug zum Herzmenschen. Jetzt wird endlich alles gut, denke ich noch. Doch es kann der Dümmste nicht in Frieden leben, wenn sich Jemand findet der sich am Glück der anderen stört.
Ich werde in Dinge hinein gezogen, um die ich in meinem bisherigen Leben stets einen großen Bogen geschlagen habe. Doch ich möchte den Seelenstreichler nicht allein mit der Situation lassen.

Kurz nach dem Jahreswechsel kommt es schließlich zur Eskalation.
Der Seelenstreichler muss regelrecht evakuiert werden, und braucht sehr kurzfristig eine neue Bleibe.
Der Herzmensch wandelt sich vom Freund, zu einem Psychopaten. Bedroht uns, veranstaltet auch nach dem Auszug des Seelenstreichlers unglaublichen Terror, und macht selbst vor der Arbeitsstelle des Seelenstreichlers nicht halt. Und zu meiner eigenen Sicherheit muss ich mich auf HIV und Hepatitis testen lassen.

Ich bin schließlich dazu gezwungen, Klage gegen den Herzmensch ein zu reichen. Dieser erhebt nun Gegenklage, und veranstaltet bei Gericht mit sehr vielen sehr persönlichen und verletzenden Vorwürfen gegen mich solch ein Drama, dass man den Eindruck bekommt es würde um eine Scheidung mit millionschwerer Abfindung gehen. Das ist alles sehr belastend.

Mein Auge,bzw. der Sehnerv zickt wieder fröhlich vor sich hin. Nach vier Monaten Wartezeit bekomme ich endlich einen Termin bei einem Neurologen. Dort beginnt mein Gespräch zunächst mit einer Diskussion. Der Arzt fühlt sich nicht zuständig, und möchte mich zum Augenarzt verweisen.
Ich bin dem Wahnsinn nahe! Immerhin bin ich mit einer Überweisung und meiner Krankenakte vom Augenarzt dort!
Das Gespräch endet schließlich mit einer Überweisung fürs MRT, sowie einer Empfehlung für die Uniklinik Köln. Es besteht Verdacht auf eine unheilbare degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Und ich fühle mich sehr hin und her geschoben!

Es kommt der Punkt, an dem ich einfach nicht mehr kann. Und leider finde ich auch keine Ruhe um mich einfach mal erholen zu können. So sitze ich mit meiner Geschichte, meinen Sorgen und Ängsten schließlich erst bei einem Psychiater und im Anschluss daran bei einer Therapeutin.
Der Psychiater meint, ich solle die letzten zweieinhalb Jahre aufarbeiten. Ich möchte eigentlich nichts aufarbeiten. 2015 und auch 2016 liegen mental bereits hinter mir. Vielmehr wünsche ich mir eine fachmännische Begleitung durch die aktuellen Belastungen und Ängste.

 Der erste Termin bei der Therapeutin dient "nur zum Kennen lernen".
Nach den üblichen Formalitäten werde ich zu meiner Familie befragt. Nicht meiner jetzigen Familie, sondern derer der ich ab stamme. Ich kann diese Fragen allesamt nicht beantworten, da ich sehr früh ausgezogen bin und letztlichvor über 15 Jahren jeden Kontakt abgebrochen habe. 
Die Therapeutin stellt Fragen zu meinem leiblichen Vater, die ich ebenso wenig beantworten kann. Ich kenne meinen leiblichen Vater nicht. Die Therapeutin bohrt nach: "Aber es muss ja ein Name in ihrer Geburtsurkunde stehen." - "Wie ist denn ihre Mutter mit dem Thema umgegangen?" - "Naja, IRGENDETWAS müssen Sie ja aber wissen, oder?"
Selbst wenn der Name meines Vaters in der Geburtsurkunde steht, heißt das nicht dass ich meinen Vater kenne!

Nun werde ich zu meiner aktuellen Familiensituation befragt. Wir landen schließlich im Jahre 2015. Noch bevor ich im Jahre 2016 oder gar 2017 angelangen kann, ist die Therapeutin der Meinung wir brauchen für den Gatten unbedingt eine Pflegekraft. Das sei mir ja alle gar nicht zu zu muten.
Ich werfe ein, dass sie mich nicht hat aus reden lassen, und dass der Gatte aktuell echt mein letztes Problem sei! Er könne inzwischen gut laufen, sei selbständig und befinde sich in der beruflichen Umschulung.
Ich reagiere ein klein wenig angepisst!

Als nächstes wird mein (Über-)Gewicht angesprochen.
Ob ich an einer Stoffwechselstörung, Bluthochdruck, ect. leiden würde. Ich verneine dies. Ich werde nach meinem Essverhaten befragt. "Miserabel" sage ich.
Woran ich bei Miserabel denke? Ich bekomme morgens derzeit nichts runter. Kann Mittags das erste mal einen Snack essen, und mit etwas Glück gelingt mir Abends eine vernünftige Mahlzeit. Und ich benötige Nahrungsergänzung um nicht in einen Mangel zu geraten, der bei mir schwere Migräneattaken aus lösen kann. (Auch bei diesem Gespräch habe ich zuvor nicht frühstücken können.)
Woran die Therapeutin zu denken scheint? Übergewicht + familiäre Probleme = Essgestört = Fressanfälle!
Noch bevor ich näher auf mein "Miserabel" ein gehen kann, wird mir ein Vortrag über die Inhaltsstoffe von Fertiggerichten gehalten. Ich werfe ein, ich hätte eine Unverträglichkeit und mir sei sehr wohl bewusst was in Fertiggerichten alles enthalten ist. Außerdem würde ich mich aufgrund der Unverträglichkeit bevorzugt von unverarbeiteten und selbst zubereiteten Lebensmitteln ernähren.
Nun wird mir ein Vortrag über den Kaloriengehalt einer Scheibe Brot, dem Zuckeranteil in einem Becher Fruchtjogurt, dem Fettgehalt in Wurstprodukten und dem Energiegehalt eines Smoothies gehalten.
Details mit einer inhaltlichen Tiefe, die ich eher bei einer Ernährungsberatung nicht aber bei einer Psychotherapeutin erwarte!
Ich sage noch mals: "Darüber brauchen wir hier nicht diskutieren! Ich leide an einer Unverträglichkeit!"
"Naja, irgendwo muss ihr Übergewicht ja her kommen!"
WOW! Ich werde von Ärzten natürlich oft auf mein Gewicht angesprochen, aber so schnell und oberflächig bin ich wirklich noch nie vorverurteilt worden.
"Entschuldigung, aber dafür bin ich nicht hier!" Ich bin stinkesauer!

Die Therapeutin versucht zu beschwichtigen, und erklärt das Gewicht und Essen ebenso wie Alkohol und Medikamente zur Suchtdiagnostik gehören würden. Ich kürze die Sache ab und sage lautstark: "Ok, dann hier zum Mitschreiben: Ich nehme keine Medikamente, trinke keinen Alkohol, hatte nie etwas mit Drogen zu tun, und bin seit Geburt an Nichtraucher! Habe ich etwas vergessen?"
Die Therapeutin guckt mich etwas verdattert an und erklärt die Stunde für beendet.
Allerdings muss ich mich noch auf der Stelle entscheiden, ob ich den Vertrag unterschreiben und weitere Termine möchte. Ich geben an, dass ich über solche Entscheidungen gerne erst in Ruhe nach denken würde. Nein, das geht nicht, ich muss mich auf der Stelle entscheiden.
Ich bin mir unsicher. Zähneknirschend lasse ich mich auf einen weiteren Termin ein.
Als Hausaufgabe wird mir aufgetragen meinen Kühlschrank zu fotografieren.

Noch auf der Heimfahrt beginne ich nach zu denken.
Meinen Kühlschrank fotografieren? Und dann? Endet das Bild meines Kühlschranks dann in einer Diskussion darüber wer von uns welche Lebensmittel aus diesem Kühlschrank verzehrt? Bekomme ich weitere Vorträge über Kalorien- Zucker- oder Fettgehalt gewisser Lebensmittel gehalten?
Und worin endet diese Diskussion letztlich? Vielleicht darin dass ich beginne mir beim Stricktreff das Stückchen Kuchen zu verkneifen weil ich plötzlich ein schlechtes Gewissen gegenüber Essen entwickeltet habe?

Zwei Tage gebe ich mir Zeit dieses erste Gespräch zu überdenken.
Von meinen aktuellen Sorgen und Ängsten konnte ich nicht einen einzigen Punkt vor bringen. Dafür wurde sich ausschließlich auf Dinge konzentriert, die nichts mit meinem derzeitigen Loch zu tun haben. Weder möchte ich mir beim Thema Essen ein Problem an reden lassen, noch möchte ich auf eine Familie ein gehen die seit Ewigkeiten kein Bestandteil meines Lebens mehr ist.

Den nächsten Termin nehme ich noch wahr, weil ich diesen leider nicht mehr ab sagen kann. Dazu müsste ich nämlich bereits drei Tage im Voraus morgens um 8Uhr wissen, dass ich krank werde oder verhindert bin. Ich fahre also hin, nur um zu sagen dass ich leider keine Basis sehe mich vertrauensvoll öffnen zu können.
Natürlich möchte die Therapeutin wissen, warum ich das so sehe.
Mit Nachdruck sage ich: "Ich beende das hier jetzt, und bin nicht bereit darüber zu diskutieren!"
Die Therapeutin versucht mich, gemäß ihrem Berufsstand, gezielt zu manipulieren. So tief unten, dass ich das nicht bemerken würde, bin ich allerdings noch nicht. Ich lasse mich auf das Spiel ein und frage: "Ok, dann sagen Sie mir doch bitte warum ich zu ihnen gekommen bin. Was ist mein Problem?" - "Ja, Sie leiden unter der gesundheitlichen Situation ihres Mannes...." - "Ich habe bereits beim letzten Mal deutlich gesagt, dass mein Mann derzeit NICHT mein Problem ist! UND ich habe keinen Bedarf daran über jede meiner Aussagen mit ihnen zu diskutieren!"
Mit viel Schwung verlasse ich ungefragt die Praxis.

Zu Hause diskutiere ich mit dem Gatten über das Thema.
Ich finde das Vorgehen und Verhalten dieser Therapeutin sehr fragwürdig. Mit Depressionen ist man nicht immer so aufmerksam wie man sein sollte, und sehr leicht zu beeinflussen. Außerdem ist nicht jeder Mensch in der Lage Manipulationen sofort zu erkennen. Was wäre passiert, wenn ich etwas weniger "wach", selbstbewusst oder intelligent gewesen wäre?

Im MRT liege ich mit meinen Sorgen und Ängsten lange 45 Minuten alleine auf der Liege. Die Ergebnisse werfen mehr Fragen auf, als aktuell beantwortet werden. Und bis zum Termin in der Uniklink muss ich noch etliche Wochen warten.

Einige Tage später sitze ich mit dem Kind an "unserem" Rhein. Versuche runter zu kommen und los zu lassen. Denke nach.
Jeder der Ärzte bei denen ich bisher war, hat in mir immer nur seinen Fachbereich gesehen. Der Augenarzt das Auge. Der Neurologe das Nervensystem. Selbst der Psychiater hat mich nur in eine Schublade einsortiert. Und auf die Erfahrung mit der Therapeutin hätte ich locker ganz verzichten können. Bisher ist nie jemand auf die Idee gekommen, die vielen Puzzlesteinchen die ich zusammen getragen habe zu einem ganzheitlichem Bild zusammen zu fügen.

Vielleicht sollte ich einfach wieder öfter an den Rhein kommen. Das ist in den letzten Monaten leider unter gegangen. Und ich sollte wieder mehr auf mich selbst Vertrauen. Auf meine Kraft, meine Stärke, und meinen Buddhismus. Das hat doch früher auch funktioniert. Was zur Hölle ist geschehen, dass ich das verlernt habe? Brauche ich wirklich Ärzte und Therapeuten, die glauben meine Probleme nach 30 Minuten besser zu kennen als ich selbst, die 24 Stunden jeden Tag mit sich Zeit verbringt?











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