Montag, 12. Juni 2017

Von der Schwierigkeit den richtigen Weg zu finden......

Meine Stammleser und Freunde haben es sicherlich schon bemerkt: Mein Blog schläft mal wieder ein.
Dabei ist es nicht etwa so, als wenn es mir an Themen mangeln oder ich nicht mehr stricken würde. Nein, derzeit stehen gleich 15 vorbereitete Postings in der Warteschlange und warten darauf dass ich endlich mal zu Potte komme.

Wenn mein Blog ein zu schlafen droht, bin ich entweder sehr sehr beschäftigt oder mir geht es nicht besonders gut. Leider bin ich momentan nicht nur sehr beschäftigt, sondern mir geht es auch noch ...... MISERABEL!

Schon im März war mir das erste mal bewusst, dass ich mental ab zu stürzen drohte. Kummer und Erschöpfung wurden übermächtig, und "das Loch" das sich vor mir auf tat war dergestalt dass ich befürchtete dort ohne Hilfe nicht aus eigener Kraft heraus zu finden.

Dabei ist es gar nicht mal so, als wenn ich nicht wüsste warum ich seelisch bin, wo ich eben derzeit bin. Ich habe so viel erlebt, so viel geleistet, und so vieles durchlebt in den letzten beiden Jahren dass man damit locker zwei wenn nicht sogar drei Leben hätte füllen können. Das hat seine Spuren hinterlassen.

Die Erkrankung des Gatten, und dieses unsagbar anstrengende Jahr 2015. Die große OP am Rückenmark, deren Ausgang niemand so genau prognostizieren konnte. Lange Klinik- und Reha-Aufenthalte. Der ständige Kampf um wirklich alles. Mit dem Jobcenter. Mit der Krankenkasse. Mit der Rentenversicherung. Mit dem Versogungsamt bezüglich dem Grad der Behinderung. Mit dem Jugendamt um begleitende Hilfen für meine Jungs. Und nicht zuletzt die Existenzängste! Der Verlust von Freundschaften, und die Aufgabe meines Stricktreffs.

2016 verliert der Seelenstreichler unter sehr dramatischen Umständen seinen Lebenspartner. Ich versuche auf zu fangen und ab zu wenden, was immer und wann immer ich kann. Erlebe jeden Zusammebruch, und jeden Zweifel hautnah mit.
Ich lerne den Herzmenschen kennen, der mir schnell recht wichtig wird. Und im Herbst helfe ich dem Seelenstreichler beim Umzug zum Herzmenschen. Jetzt wird endlich alles gut, denke ich noch. Doch es kann der Dümmste nicht in Frieden leben, wenn sich Jemand findet der sich am Glück der anderen stört.
Ich werde in Dinge hinein gezogen, um die ich in meinem bisherigen Leben stets einen großen Bogen geschlagen habe. Doch ich möchte den Seelenstreichler nicht allein mit der Situation lassen.

Kurz nach dem Jahreswechsel kommt es schließlich zur Eskalation.
Der Seelenstreichler muss regelrecht evakuiert werden, und braucht sehr kurzfristig eine neue Bleibe.
Der Herzmensch wandelt sich vom Freund, zu einem Psychopaten. Bedroht uns, veranstaltet auch nach dem Auszug des Seelenstreichlers unglaublichen Terror, und macht selbst vor der Arbeitsstelle des Seelenstreichlers nicht halt. Und zu meiner eigenen Sicherheit muss ich mich auf HIV und Hepatitis testen lassen.

Ich bin schließlich dazu gezwungen, Klage gegen den Herzmensch ein zu reichen. Dieser erhebt nun Gegenklage, und veranstaltet bei Gericht mit sehr vielen sehr persönlichen und verletzenden Vorwürfen gegen mich solch ein Drama, dass man den Eindruck bekommt es würde um eine Scheidung mit millionschwerer Abfindung gehen. Das ist alles sehr belastend.

Mein Auge,bzw. der Sehnerv zickt wieder fröhlich vor sich hin. Nach vier Monaten Wartezeit bekomme ich endlich einen Termin bei einem Neurologen. Dort beginnt mein Gespräch zunächst mit einer Diskussion. Der Arzt fühlt sich nicht zuständig, und möchte mich zum Augenarzt verweisen.
Ich bin dem Wahnsinn nahe! Immerhin bin ich mit einer Überweisung und meiner Krankenakte vom Augenarzt dort!
Das Gespräch endet schließlich mit einer Überweisung fürs MRT, sowie einer Empfehlung für die Uniklinik Köln. Es besteht Verdacht auf eine unheilbare degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Und ich fühle mich sehr hin und her geschoben!

Es kommt der Punkt, an dem ich einfach nicht mehr kann. Und leider finde ich auch keine Ruhe um mich einfach mal erholen zu können. So sitze ich mit meiner Geschichte, meinen Sorgen und Ängsten schließlich erst bei einem Psychiater und im Anschluss daran bei einer Therapeutin.
Der Psychiater meint, ich solle die letzten zweieinhalb Jahre aufarbeiten. Ich möchte eigentlich nichts aufarbeiten. 2015 und auch 2016 liegen mental bereits hinter mir. Vielmehr wünsche ich mir eine fachmännische Begleitung durch die aktuellen Belastungen und Ängste.

 Der erste Termin bei der Therapeutin dient "nur zum Kennen lernen".
Nach den üblichen Formalitäten werde ich zu meiner Familie befragt. Nicht meiner jetzigen Familie, sondern derer der ich ab stamme. Ich kann diese Fragen allesamt nicht beantworten, da ich sehr früh ausgezogen bin und letztlichvor über 15 Jahren jeden Kontakt abgebrochen habe. 
Die Therapeutin stellt Fragen zu meinem leiblichen Vater, die ich ebenso wenig beantworten kann. Ich kenne meinen leiblichen Vater nicht. Die Therapeutin bohrt nach: "Aber es muss ja ein Name in ihrer Geburtsurkunde stehen." - "Wie ist denn ihre Mutter mit dem Thema umgegangen?" - "Naja, IRGENDETWAS müssen Sie ja aber wissen, oder?"
Selbst wenn der Name meines Vaters in der Geburtsurkunde steht, heißt das nicht dass ich meinen Vater kenne!

Nun werde ich zu meiner aktuellen Familiensituation befragt. Wir landen schließlich im Jahre 2015. Noch bevor ich im Jahre 2016 oder gar 2017 angelangen kann, ist die Therapeutin der Meinung wir brauchen für den Gatten unbedingt eine Pflegekraft. Das sei mir ja alle gar nicht zu zu muten.
Ich werfe ein, dass sie mich nicht hat aus reden lassen, und dass der Gatte aktuell echt mein letztes Problem sei! Er könne inzwischen gut laufen, sei selbständig und befinde sich in der beruflichen Umschulung.
Ich reagiere ein klein wenig angepisst!

Als nächstes wird mein (Über-)Gewicht angesprochen.
Ob ich an einer Stoffwechselstörung, Bluthochdruck, ect. leiden würde. Ich verneine dies. Ich werde nach meinem Essverhaten befragt. "Miserabel" sage ich.
Woran ich bei Miserabel denke? Ich bekomme morgens derzeit nichts runter. Kann Mittags das erste mal einen Snack essen, und mit etwas Glück gelingt mir Abends eine vernünftige Mahlzeit. Und ich benötige Nahrungsergänzung um nicht in einen Mangel zu geraten, der bei mir schwere Migräneattaken aus lösen kann. (Auch bei diesem Gespräch habe ich zuvor nicht frühstücken können.)
Woran die Therapeutin zu denken scheint? Übergewicht + familiäre Probleme = Essgestört = Fressanfälle!
Noch bevor ich näher auf mein "Miserabel" ein gehen kann, wird mir ein Vortrag über die Inhaltsstoffe von Fertiggerichten gehalten. Ich werfe ein, ich hätte eine Unverträglichkeit und mir sei sehr wohl bewusst was in Fertiggerichten alles enthalten ist. Außerdem würde ich mich aufgrund der Unverträglichkeit bevorzugt von unverarbeiteten und selbst zubereiteten Lebensmitteln ernähren.
Nun wird mir ein Vortrag über den Kaloriengehalt einer Scheibe Brot, dem Zuckeranteil in einem Becher Fruchtjogurt, dem Fettgehalt in Wurstprodukten und dem Energiegehalt eines Smoothies gehalten.
Details mit einer inhaltlichen Tiefe, die ich eher bei einer Ernährungsberatung nicht aber bei einer Psychotherapeutin erwarte!
Ich sage noch mals: "Darüber brauchen wir hier nicht diskutieren! Ich leide an einer Unverträglichkeit!"
"Naja, irgendwo muss ihr Übergewicht ja her kommen!"
WOW! Ich werde von Ärzten natürlich oft auf mein Gewicht angesprochen, aber so schnell und oberflächig bin ich wirklich noch nie vorverurteilt worden.
"Entschuldigung, aber dafür bin ich nicht hier!" Ich bin stinkesauer!

Die Therapeutin versucht zu beschwichtigen, und erklärt das Gewicht und Essen ebenso wie Alkohol und Medikamente zur Suchtdiagnostik gehören würden. Ich kürze die Sache ab und sage lautstark: "Ok, dann hier zum Mitschreiben: Ich nehme keine Medikamente, trinke keinen Alkohol, hatte nie etwas mit Drogen zu tun, und bin seit Geburt an Nichtraucher! Habe ich etwas vergessen?"
Die Therapeutin guckt mich etwas verdattert an und erklärt die Stunde für beendet.
Allerdings muss ich mich noch auf der Stelle entscheiden, ob ich den Vertrag unterschreiben und weitere Termine möchte. Ich geben an, dass ich über solche Entscheidungen gerne erst in Ruhe nach denken würde. Nein, das geht nicht, ich muss mich auf der Stelle entscheiden.
Ich bin mir unsicher. Zähneknirschend lasse ich mich auf einen weiteren Termin ein.
Als Hausaufgabe wird mir aufgetragen meinen Kühlschrank zu fotografieren.

Noch auf der Heimfahrt beginne ich nach zu denken.
Meinen Kühlschrank fotografieren? Und dann? Endet das Bild meines Kühlschranks dann in einer Diskussion darüber wer von uns welche Lebensmittel aus diesem Kühlschrank verzehrt? Bekomme ich weitere Vorträge über Kalorien- Zucker- oder Fettgehalt gewisser Lebensmittel gehalten?
Und worin endet diese Diskussion letztlich? Vielleicht darin dass ich beginne mir beim Stricktreff das Stückchen Kuchen zu verkneifen weil ich plötzlich ein schlechtes Gewissen gegenüber Essen entwickeltet habe?

Zwei Tage gebe ich mir Zeit dieses erste Gespräch zu überdenken.
Von meinen aktuellen Sorgen und Ängsten konnte ich nicht einen einzigen Punkt vor bringen. Dafür wurde sich ausschließlich auf Dinge konzentriert, die nichts mit meinem derzeitigen Loch zu tun haben. Weder möchte ich mir beim Thema Essen ein Problem an reden lassen, noch möchte ich auf eine Familie ein gehen die seit Ewigkeiten kein Bestandteil meines Lebens mehr ist.

Den nächsten Termin nehme ich noch wahr, weil ich diesen leider nicht mehr ab sagen kann. Dazu müsste ich nämlich bereits drei Tage im Voraus morgens um 8Uhr wissen, dass ich krank werde oder verhindert bin. Ich fahre also hin, nur um zu sagen dass ich leider keine Basis sehe mich vertrauensvoll öffnen zu können.
Natürlich möchte die Therapeutin wissen, warum ich das so sehe.
Mit Nachdruck sage ich: "Ich beende das hier jetzt, und bin nicht bereit darüber zu diskutieren!"
Die Therapeutin versucht mich, gemäß ihrem Berufsstand, gezielt zu manipulieren. So tief unten, dass ich das nicht bemerken würde, bin ich allerdings noch nicht. Ich lasse mich auf das Spiel ein und frage: "Ok, dann sagen Sie mir doch bitte warum ich zu ihnen gekommen bin. Was ist mein Problem?" - "Ja, Sie leiden unter der gesundheitlichen Situation ihres Mannes...." - "Ich habe bereits beim letzten Mal deutlich gesagt, dass mein Mann derzeit NICHT mein Problem ist! UND ich habe keinen Bedarf daran über jede meiner Aussagen mit ihnen zu diskutieren!"
Mit viel Schwung verlasse ich ungefragt die Praxis.

Zu Hause diskutiere ich mit dem Gatten über das Thema.
Ich finde das Vorgehen und Verhalten dieser Therapeutin sehr fragwürdig. Mit Depressionen ist man nicht immer so aufmerksam wie man sein sollte, und sehr leicht zu beeinflussen. Außerdem ist nicht jeder Mensch in der Lage Manipulationen sofort zu erkennen. Was wäre passiert, wenn ich etwas weniger "wach", selbstbewusst oder intelligent gewesen wäre?

Im MRT liege ich mit meinen Sorgen und Ängsten lange 45 Minuten alleine auf der Liege. Die Ergebnisse werfen mehr Fragen auf, als aktuell beantwortet werden. Und bis zum Termin in der Uniklink muss ich noch etliche Wochen warten.

Einige Tage später sitze ich mit dem Kind an "unserem" Rhein. Versuche runter zu kommen und los zu lassen. Denke nach.
Jeder der Ärzte bei denen ich bisher war, hat in mir immer nur seinen Fachbereich gesehen. Der Augenarzt das Auge. Der Neurologe das Nervensystem. Selbst der Psychiater hat mich nur in eine Schublade einsortiert. Und auf die Erfahrung mit der Therapeutin hätte ich locker ganz verzichten können. Bisher ist nie jemand auf die Idee gekommen, die vielen Puzzlesteinchen die ich zusammen getragen habe zu einem ganzheitlichem Bild zusammen zu fügen.

Vielleicht sollte ich einfach wieder öfter an den Rhein kommen. Das ist in den letzten Monaten leider unter gegangen. Und ich sollte wieder mehr auf mich selbst Vertrauen. Auf meine Kraft, meine Stärke, und meinen Buddhismus. Das hat doch früher auch funktioniert. Was zur Hölle ist geschehen, dass ich das verlernt habe? Brauche ich wirklich Ärzte und Therapeuten, die glauben meine Probleme nach 30 Minuten besser zu kennen als ich selbst, die 24 Stunden jeden Tag mit sich Zeit verbringt?











1 Kommentar:

  1. Guten Morgen. Mit viel Interesse habe ich deinen Beitrag gelesen. In vielem habe ich mich wieder erkannt. Ich kann dem sehr nach fühlen und wünsche dir mit deiner Familie weiterhin Kraft. Ganz liebe Grüsse Isa

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