Freitag, 22. Dezember 2017

Das Socken Wunschbuch

In diesem Jahr wurde ich wieder vermehrt gefragt, ob ich meine Socken auch verkaufen würde. Und was diese denn dann kosten würden.
Ich verneine diese Frage stets, und erkläre dass man sich meine Socken nur schenken lassen kann.

Leute die nicht selbst stricken, und daher oft überhaupt nicht wissen was gute Wolle im Jahre 2017 so  kostet, möchten meist von mir wissen warum ich nicht verkaufe. Ich könne doch so toll Stricken!
Die Antwort ist schlicht und ergreifend: Weil es sich nicht lohnt!
Und weil ich mich beim stricken nicht stressen lassen möchte!

Ich lege beim Kauf meiner Wolle Wert auf gute Qualität.
Von mir ausgewählte Sockengarne haben in der Regel Verkaufspreise zwischen 9€ bis hin zu 13€. Die sogenannten Edelgarne in Merino Qualitäten auch deutlich mehr.
Ein Richtwert für den Verkauf von handgefertigten Strickstücken lautet: Materialwert mal drei.
Bei einfachen Stinos müsste ich also bereits einen Verkaufspreis von um die 30€ an setzen.
Die Leute die mich nach meinen Socken fragen, möchten jedoch keine Stinos sondern Socken mit kunstvollen Mustern. Und diese Socken beinhalten sehr viele Stunden Arbeit. Dividiere ich nun also meinen Gewinn durch die Arbeitsstunden die ich mit solchen Kunstwerken zu bringe, komme ich auf einen Stundenlohn vom um 1€ herum.

Würde ich Socken für einen Verkauf an fertigen, müsste ich rein rechtlich gesehen ein Kleingewerbe an melden.
Da wir aufgrund der Erkrankung des Gatten aber immer wieder mit diversen Behörden zu tun haben, müsste ich dieses Kleingewerbe bei jeder dieser Behörden natürlich an geben. Und dann wird es manchmal richtig kompliziert.
Darauf habe ich einfach keine Lust!
Mal ganz davon abgesehen, dass ich auf ein Geschäftsjahr gesehen gar nicht genug Socken stricken könnte dass sich dieser Aufwand überhaupt lohnen würde. In guten Jahren schaffe ich vielleicht 20 Paar Socken. In schlechten Jahren auch weniger als 10. Eine Behörde sieht jedoch nur die mögliche Einkommensquelle, und setzt den zu erwartenden Gewinn erfahrungsgemäß immer viel höher an als in der Realität erwirtschaftet werden kann.

Worauf ich ebenfalls keinerlei Lust habe sind Diskussionen mit "Kunden"!
Diskussionen darüber warum ein Paar handgestrickte Socken denn 30€ kosten, wo man in jedem Supermarkt Socken für wenige Euro im Mehrfachpack bekommt.
Diskussionen darüber warum Wolle so verdammt teuer geworden sei (häufig im Vergleich mit Preisen aus der Nachkriegszeit).
Diskussionen darüber ob ich nicht auch mit billiger Wolle, oder von den Kunden beschaffter Wolle Socken stricken könnte.
Und Diskussionen darüber, warum das Socken stricken denn so lange dauert wie es eben dauert.

Viele Menschen die der Meinung sind ich solle meine Socken doch verkaufen, und mich mit meinem Hobby selbständig machen, übersehen leider auch dass wir eine nicht ganz alltägliche Familie sind.
Mein lieber Gatte ist chronsich erkrankt, und hat eine bleibende Behinderung davon getragen. Für unseren queeren Teenager haben wir seit dem Outing manchmal ganz schön kämpfen müssen. Der hochbegabte Fast-Teenager ist ein glänzendes Beispiel dafür dass eine überdurchschnittliche Intelligenz mitunter auch eine Form von Behinderung sein kann. Ich selbst bleibe seit der Sehnervenerkrankung im letzten Jahr, wohl leider auch dauerhaft eingeschränkt.
Außenstehende können sich oftmals gar nicht vor stellen, wie sehr diese Umstände unser Leben und unseren Alltag beeinflussen!

Socken zu stricken ist für mich gleichermaßen Hobby wie Leidenschaft.
Ich möchte selbst entscheiden können wann ich mit welchem Material und welchem Muster für welchen Menschen ein Paar Socken erschaffe. Ohne Termin oder Erwartungsdruck.
Es soll und wird ein Hobby bleiben!
Eine Freizeitbeschäftigung, in die ich mich manchmal einfach flüchten kann.
Eine Fähigkeit, die es mir erlaubt mir lieben Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Leute die sich von mir Socken wünschen, müssen manchmal ganz schön viel Geduld haben.
Deshalb habe ich irgendwann begonnen eine Warteliste zu führen. Aus dieser Warteliste ist dann das Socken Wunschbuch entstanden.


Hier notiere ich mir auf fortlaufenden Seiten alle Informationen, die ich zu einer Person benötige.
Zuerst natürlich den Namen, und eventeull eine Versandadresse. Schuhgröße und Lieblingsfarben notiere ich mir, ebenso aber Besonderheiten wie schlanke oder stämmige Beine und andere Dinge.
Dann arbeite ich diese Liste mehr oder weniger sinnvoll ab. Weiß ich um Geburtstage, versuche ich die Wunschsocken bis dahin fertig zu stellen. Brauche ich Abschiedsgeschenke werden diese natürlich vor gezogen.


Wünscht sich jemand kurzfristig Socken zum Geburtstag, lehne ich konsequent ab und verweise auf den nächsten Geburtstag im folgendem Jahr. Unter vier Wochen Vorlaufzeit nehme ich keine Wünsche mehr entgegen!
Weihnachtswünsche müssen spätestens bis zu den Sommerferien bei mir eingereicht werden. Weil ich meist schon im August damit beginne erste Weihnachtsgeschenke zu stricken, damit ich im Dezember dann Zeit frei habe für alles was man als Familie in der Vorweihnachtszeit so machen möchte.

Habe ich ein Paar Wunschsocken dann fertig gestellt, fotografiert, und verbloggt, notiere ich mir im Wunschbuch außerdem das Muster und welches Garn ich verarbeitet habe. So entsteht aus dem Wunschbuch heraus gleichzeitig ein kleines Strickarchiv.


Und Familienmitglieder kommen dann auch schon mal auf eine Doppelseite im Socken Wunschbuch.......



Wie ihr euch vielleicht denken könnt, arbeite ich gerade noch allerletzte Weihnachtsgeschenke ab.
In meinem Wunschbuch stehen aber schon die nächsten 8 Sockenwünsche, welche ich 2018 an gehen werde.  Und für mich selbst wollte ich außerdem die Alltagssocken Serie fort setzen, mir neue Handstulpen stricken, und diverse Tücher über die Nadeln gleiten lassen.
Mir und euch wird also bestimmt nicht langweilig werden!



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