Samstag, 9. März 2013

Das Leben ist kein Ponyhof

Seit gefühlten Monaten grübele ich schon über diesen Blogeintrag nach.
Vieles hat sich bei mir angesammelt. Zu vieles aufgestaut. Doch wenn ich dann hier sitze bleibt die Seite meist jungfräulich weiß. Schreibblockade. Oder einfach nur depressiv. Völlig ohne Antrieb, ohne jegliche Motivation. Es braucht seine Zeit die letzten Monate zu verarbeiten. 

Warum Wir? Warum der Gatte? Warum immer ich? 
 Es ist ebenso sinnlos wie mühselig nach einem WARUM zu fragen. Eine Antwort wird man zeitlebens nicht bekommen. Aber dennoch ist dieses Warum einfach da und drängt sich ungewollt in den ungünstigsten Momenten ins Bewusstsein. Im Bus zum Beispiel, wenn die Gedanken mal eben 10 Minuten Zeit haben ab zu schweifen. Oder, ganz ganz schlimm, des Nachts wenn man eigentlich schlafen möchte.

Vieles stellt man für sich selbst in Frage.
Freundschaften zum Beispiel! 
"Wo ist denn die ewiglich positiv gestimmte Frau PhotoAuge geblieben?"
"Du bist nur noch am meckern! Wo sind deine schönen Momente hin?"
"Du bloggst ja gar nicht mehr! Kommt da noch mal was, oder kann ich meine Bookmarks gleich löschen?" 
Tja, es fällt einem ganz schön schwer positiv gestimmt durch das Leben zu tanzen, wenn der Partner von sich selbst sagt "Mitte Dreißig und ein halber Krüppel". Wenn man  das Gefühl hat um alles kämpfen zu müssen. Wenn man sieht wie sich die Situation auf die Kinder aus wirkt. Und wenn man dann doch irgendwann an dem Punkt angelangt ist, wo die eigene Kraft nicht mehr ausreicht.

Auch ganz toll, aber wenig hilfreich: 
"Meinste nicht, es müsste langsam mal wieder besser sein? Versuch es doch einfach mal mit Lachen!"
"Ich würde den Kindern gar nicht erzählen wie schlimm es wirklich ist. Das belastet sie doch nur unnötig."
"Ihr müsstet mal wieder was als Familie unternehmen. Das ist sooo wichtig!"

Ein Leben mit Behinderung stellt einen JEDEN TAG vor Probleme. Manche lassen sich lösen. Mit anderen muss man erst lernen um zu gehen. Allein die Tatsache daß der Gatte nicht auf einen Rollstuhl angewisen ist macht noch lange nicht "alles gut". Und dann erst die wirklich nervenraubende Bürokratie! Ich habe noch nie so viele Amtsschimmel wiehren gehört wie die vergangenen Wochen.
Wie ich den Kindern eine offensichtliche Behinderung des Vaters verheimlichen soll, konnte mir die Person dann allerdings auch nicht erklären. Und letzter Satz fiel ausgerechnet zu einer Zeit als wir gegenüber der Krankenkasse noch um orthopädische Hilfsmittel kämpften und der Gatte wirklich große Probleme hatte sich längere Zeit auf den Beinen zu halten.


Nichts ist mehr wie es vorher war.
Niemand kann vorher sehen was einmal sein wird.
Dafür hat man aber all zu deutlich vor Augen was eben nicht mehr geht. Schneeballschlachten zum Beispiel. Überhaupt ist Schnee plötzlich ein wirklich großes Problem! Risikoreich und Unfallträchtig.
Mit den Jungs im Garten Fussball spielen, wild in der Gegend herum toben, das Laufen über unebene natürliche Flächen, und lange Ausschweifende Tagesausflüge.  So vieles was eben Familie und/oder den Sommer aus machte wird entweder überhaupt nicht mehr gehen, oder nur noch stark eingeschränkt.
Mir fehlt die Stärke des Mannes im Haushalt. Mal eben dieses oder jenes in den Keller schaffen. Wasserkisten oder Großeinkäufe schleppen, Möbel verrücken, ect. Wie es dem Gatten damit geht das alles nicht mehr zu können, davon möchte ich hier gar nicht erst anfangen.

Eine Behinderung eines Familienmitglieds wird letztlich von allen Familienmitgliedern getragen. Eine Wahl bleibt einem nicht. Und mit der Zeit wächst man einfach hinein. Doch es hinterlässt seine Spuren.
Der Große ist, gelinde gesagt, in letzter Zeit recht problematisch. Vom Schulproblem mal ganz zu schweigen.  Der Kleine nässt Nachts ins Bett und auch tagsüber ist längst nicht alles Paletti. Ich selbst schwanke bereits seit dem Jahreswechsel zwischen diversen Krankheiten, totaler Erschöpfung, Depression und absoluter Schlaflosigkeit. Und der Gatte flüchtet sich in jede kräfteraubende, nun risikoreiche Situation (z.B. Rosenmontag in die Kölner Innenstadt) die er bekommen kann.

„Oh großer Geist, hilf mir, nie über einen anderen Menschen zu urteilen, bevor ich nicht zwei Wochen lang in seinen Mokassins gelaufen bin.“
Ich möchte den Menschen sehen der sich unter der Situation NICHT verändert!



Kommentare:

  1. Ich bewundere deine Stärke!
    Und die liegt auch drin, schwäche zugeben zu können.
    Du sagst es, eine Behinderung wird von allen in der Familie getragen. Alle müssen damit leben lernen.
    Für die Kinder eine riesige Umstellung, mit der sie erstmal klar kommen müssen.
    Für dich ein zusätzlicher Berg an arbeit.
    Ich wünsch euch alles Gute!

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    1. Ich fühle mich gerade wenig stark. Das glaub mir mal.

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