Samstag, 21. Juli 2018

Achterbahn der Gefühle

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich es hasse den Gatten zur OP in die Klinik zu bringen?
Denn wenn aus vier bis sechs Stunden geplante OP Zeit nicht enden wollende neun werden, hat das Kopfkino jede Menge Zeit für Drama.Und wenn man dann noch - Abends um 22 Uhr - erfährt dass der Gatte die Nacht auf der Intensivstation verbringen wird, wird aus dem Drama ganz schnell eine gepflegte Panik!
Da hilft leider auch kein Stricken mehr.

Dass des Gatten OPs gerne mal etwas länger dauern, bin ich ja inzwischen schon gewohnt. Immerhin wird ja direkt am Rückenmark operiert, und das Risiko für eine sofortige Querschnittslähmung ist entsprechend hoch. Aber DAS hat mir dann doch die Schuhe ausgezogen!


Körperlich hat der Gatte die schwere und lange OP dieses mal echt erstaunlich gut weg gesteckt. Aber leider wollte das rechte (schon immer schwächere) Bein nach der OP zunächst keinen Mucks mehr von sich geben. Was uns echt ein paar schlaflosen Nächte bereitet hat.
Jedoch waren die Ärzte mit den postoperativen MRT Bildern mehr als zufrieden, weshalb man davon aus ging dass das Rückenmark wahrscheinlich nur ein bißchen beleidigt ist, und die Funktionen im Bein mit der Zeit wiederkehren müssten. Die Entscheidung für eine erneute Reha fiel deshalb recht früh.

Trotzdem war die Frustration zunächst groß.
Bei den zwei voran gegangenen OPs war der Gatte jeweils in einem Zustand, wo wir kaum noch etwas zu verlieren hatten, und haben mit den Operationen jedes mal ganz viel Körperfunktionen und  Lebensqualität zurück gewonnen. Dieses mal ist der Gatte fit und mobil wie nie zuvor gewesen, man möchte diesen Zustand möglichst erhalten bevor es wieder dramatisch wie wird, und dann kommt der Gatte halb gelähmt aus dem OP wieder heraus.
Diesen Schock muss man dann erst mal verarbeiten!


Um den Gatten ein wenig aus dem Klinikalltag zu befreien, und um zu verhindern dass ihm die Krankenhausdecke auf den Kopf fällt, haben wir ihn dann alle paar Tage in einen Rolli gesetzt und sind einfach vom Klinikgelände getürmt.
Ist ja nicht das erste mal dass der Gatte im Rollstuhl sitzt, und ich weiß damit auch im Straßenverkehr sicher um zu gehen. (Wer allerdings noch nie zuvor einen Rollstuhl geschoben hat, sollte das wirklich sein lassen. Denn sollte etwas passieren, und sei es nur dass man ein Auto an titscht, gibt es wirklich übelst Ärger mit den Versicherungen.)

Im Umfeld der Uniklinik gibt es das wunderbare Cafè Olè. Oder die tollen Futterhelden. Und so konnten wir die Sorgen für kurze Zeit mit kleinen schönen (und leckeren) Augenblicken beiseite drängen.


Mit purer Willenskraft - und ein bißchen sanfter Gewalt - hat es der Gatte dann nach fünf Tagen fertig gebracht den Fuß ein bis zwei Zentimeter vom Boden hoch zu bekommen. Er ist halt ein unglaublicher Kämpfer.
Ich bin vor Erleichterung erst einmal zusammen geklappt! Zum Glück war der Seelenstreichler an diesem Tag an meiner Seite, um mich auf zu fangen.

Nach weiteren vier Tagen war mit Hilfe der Klinik internen Physio dann auch die böse Treppe besiegt, und der Gatte durfte heim fahren.


Das Pendeln zur Uniklinik hat mich viel meiner (gerade erst wieder gefundenen) Kraft gekostet.
Ich benötige mindestens eine Stunde mit den Öffis, inklusive mehrmaligem Umsteigen. Wenn es schlecht läuft, auch schon mal anderthalb Stunden! Nur für eine Fahrt wohlgemerkt.
Um Zeit zu sparen habe ich auf den Wegen immer noch alles mögliche erledigt. Wenn ich dann beim Gatten angekommen bin, war ich oftmals schon völlig erledigt und hätte eigentlich eine Pause gebraucht.  Er jedoch scharrte bereits mit den Hufen, weil er einfach nur mit mir RAUS wollte!
Auf der Heimfahrt bin ich dann meistens noch irgendwo auf der Strecke einkaufen gewesen, und daheim lief der alltägliche Wahnsinn auch unvermindert weiter. Ich habe mich jeden Tag gefühlt als wäre ich einen Marathon gelaufen!

Mit der Heimkehr des Gatten ging dieser Marathon leider unvermindert weiter.
Arzttermine, Physiotherapie, oder einfach nur mal RAUS und unter Menschen.... nichts davon ging ohne Rollstuhl und Begleitung! Frühstück machen, Kaffee haben wollen, Duschen gehen..... nichts davon ging ohne Aufsicht oder Hilfe!
Das war sehr frustrierend für den Gatten. Er hasst es so extrem von Hilfe abhängig zu sein, und nichts selbst zu können. Und so war er  unleidlich und ungeduldig wie es ich nie zuvor an ihm erlebt habe.
Einmal habe ich ihm sogar angedroht, ihn mitten in der Stadt mit dem Rolli einfach stehen zu lassen! Dann kann er gucken wie er wieder heim kommt. (Ist fies, ich weiß, hat aber geholfen.)

Auch hier hieß das Gegenmittel Augenblicke schaffen.
Kurz durch atmen, Augen schließen, und einen Moment vergessen können.
Zum Beispiel in unserer Lieblingseisdiele oder bei gutem Essen beim Thailänder.
Und ganz (quälend) langsam, kamen die Funktionen im Bein wieder zurück, so dass der Gatte zuletzt nicht mehr ganz so viel fremde Hilfe brauchte.


Und dann war da noch das CSD Wochenende in Köln.
Schon bevor der Gatte wieder zu Hause war sagte ich, dass ich ihn im Rolli in nach Köln schieben würde wenn es nötig sein sollte. Und obwohl ich bereits sehr auf dem Zahnfleisch ging, und ich Menschen in Massen überdies nicht wirklich gut ertragen kann, habe ich den Gatten in den Rolli gesetzt und über das Straßenfest in der Altstadt geschoben. Bis hinunter zur Hauptbühne!

Es ist scheiße anstrengend einen Rollstuhl über Kopfsteinpflaster, noch dazu mit Gefälle, durch tausende Menschen zu navigieren. Jedoch haben wir unter den vielen LGBTIs eine Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft erlebt, wie nirgends sonst in den vergangenen Wochen. Immer wenn man uns bemerkte, öffnete sich eine Gasse für uns.
Warum bitte kann das nicht immer so sein?


Zur großen Demo, in Köln auch liebevoll Parade genannt, hatten wir Unterstüzung von vier lieben Freunden die den Gatten im Rolli nach allen Seiten ab schirmten.
Es war wirklich eng! Laut Veranstalter und Polizei hatten wir dieses Jahr den größten CSD aller Zeiten in Köln. Mit 1,2 Mio Zuschauern am Wegesrand und 170 teilnehmenden Wagen sowie Fußgruppen! Annähernd vier Stunden haben wir in der Innenstadt gestanden, bevor alle Teilnehmer an uns vorüber gezogen waren.


Es war aber nicht nur für den Gatten wichtig trotz aller Umständen zum CSD nach Köln zu können.
Unser queerer Teenager ist, wie bereits im letzten Jahr schon, wieder in der Fußgruppe des anyway mit gelaufen. Und natürlich stehen wir dann an der Seitenlinie und klatschen!

"Coming out in deinem Style" lautete das Motto in diesem Jahr in Köln.
Im Rahmen einiger Veranstaltungen rund um das Thema Coming Out haben der Teenager und ich an einer Diskussionsrunde teil genommen. Der Gatte und ich haben als Regenbogen Eltern kurze Statements abgegeben. Und der Teenager war sogar in einer Doku beim WDR zu sehen.
Aber das alles wird zu einem späteren Zeitpunkt eine eigene Bloggeschichte werden.


In den letzten Wochen gab es vieles was uns wirklich genervt hat.
Insbesondere eine gewisse Rücksichtslosigkeit in der Gesellschaft hat mir oftmals den Puls anschwellen lassen.
Es ist generell anstrengend und schwierig sich mit einem Rollstuhl durch öffentliche Straßen und Verkehrsmittel zu bewegen. Zugeparkte Gehwege und Rampen machen es nicht unbedingt leichter. Defekte Aufzüge oder Rolltreppen werden zum unüberwindbaren Hindernis. Ständig überlegt man wie man wo am besten hin kommt, welche Ausweichmöglichkeiten es gibt, und wo man barrierefrei um steigen kann. Gerade in Köln (einer Weltstadt!) ist dies inbesondere in der Innenstadt leider nicht überall möglich!
Zusätzlich "scannt" man ständig seine Umgebung. Da steht eine Bordsteinkante unglücklich hoch, dort ist es zu eng, hier stehen Poller im Weg, ect. Und überhaupt muss man tierisch auf passen dass man niemandem die Hacken ab fährt. Auch jenen Leuten nicht, die einem spontan vor den Rolli springen.
Und dann sind da noch die vielen (wirklich fitten gesunden und mobilen) Menschen, die in Bussen und Bahnen die Freiflächen für Rollstühle oder Kinderwagen blockieren obwohl sie überall hin könnten. Oder Leute, die sich am Rollstuhl vorbei zwängen, während wir versuchen ein oder aus zu steigen. Und jene Menschen, die sich von außen vor der Türe drängen und keinen Zentimeter Platz machen, aber laut werden wenn man sie z.B. am Ärmel streift.

Zwei Erlebnisse sind mir ganz besonders übel aufgestoßen in den letzten Wochen.

In unserer Stadt sind die Busse mit ausklappbaren Rampen ausgestattet und die Busse haben im Türbereich eine großzügige Freifläche. Eigentlich sind die Busfahrer verpflichtet diese Rampe zu bedienen, schon aus Versicherungsrechtlichen Gründen. Die meisten Fahrer jedoch bleiben stur auf ihrem Bock sitzen wenn eine Begleitperson dabei ist. Am hiesigen Busbahnhof haben wir außerdem erhöhte Bahnsteige, so dass man als geübter Rollifahrer eigentlich auch ohne Rampe in den Bus kommt, vorausgesetzt der Fahrer zieht dicht genug ran.
Wir wollen also in einen Bus ein steigen, aber der Fahrer hält gefühlt 50 m vom Bahnsteig entfernt. Ich klappe die Rampe aus, während der Gatte mit dem Rolli an der Seitenlinie wartet. Kaum berührt die Rampe die Boden, stehen da drei ältere Damen mit Rollator und wollen zuerst hinein!
Ich werde laut, und bitte darum ZUERST MEINEN MANN IM ROLLSTUHL in den Bus zu lassen. Weil wir nun einmal am meisten Platz brauchen, und außerdem einen großen Wendekreis haben. Und die alten Damen fangen prompt das Motzen an.
Echt, da könnte ich Kotzen!
Das sind genau jene Menschen die immer pauschal behaupten die Jugend (auch wir Erwachsene mit inzwischen 40 Jahren) würden weder Respekt noch Rücksicht kennen. Und selbst verhalten sie sich dann genau so, wie sie es allen anderen immer vor werfen.

Eine weitere Situation ereignete sich am Hauptbahnhof in Köln.
Der Bahnsteig war mäßig gefüllt. Menschen stehen in lockeren Gruppen zusammen, aber mit etwas gutem Willen kommt man mit dem Rolli gut durch.
Jetzt möchte man mit dem Rolli allerdings nicht irgendwo in die S-Bahn einsteigen, sondern bevorzugt am Ende oder Anfang des Waggons. Dort wo die Freiflächen für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle sind. Also muss man zu bestimmten Punkten am Bahnsteig.
Eine Gruppe junger Frauen steht etwas ungünstig. Ich schwinge keine lange Reden um Durchlass zu erbitten, sondern schreie immer nur "Vorsicht Bitte!" in die Menge. Ist einfach am effektivsten.
Als ich mit dem Gatten im Rolli schon einige Schritte an der Gruppe vorbei bin, wird uns hinterher gebrüllt "Das geht aber auch freundlicher!"
Ehrlich jetzt? Ich schiebe meinen Mann im Rollstuhl, und muss mich an raunzen lassen wenn ich vorbei will? Geht´s eigentlich noch?



Sehr gelacht haben wir dagegen über folgenden nächtlichen Zwischenfall:
Der Gatte versucht sich - alleine und ohne Hilfe - an den Krücken hängend auf Toilette zu schleppen. An der Zimmertüre gerät er ins Stolpern und eine Krücke fällt scheppernd zu Boden.
In einer einzigen fließenden Bewegung schlage ich meine Decke zurück, springe aus dem Bett und bin nur eine Sekunde später dem Gatten an der Türe. Das ganze geht so schnell, dass mein Bewusstsein noch im Bett liegt, während ich bereits am anderen Ende des Raumes stehe.
"Für jemand mit deinem Gewicht bist Du ganz schön schnell und beweglich. Da kann sich manch ein schlanker Mensch ne Scheibe von ab schneiden" sagte er!
Da fühlt man sich die folgenden Tage dann schon mal ein klein wenig wie Super Woman.
Auf eine Wiederholung dieses Reaktionstest kann ich trotzdem gern verzichten.



Am letzten Tag bevor der Gatte zur Reha ist, hatten wir noch einiges zu erledigen und Termine.
Wir haben es damit verbunden ein letztes mal lecker was essen zu gehen. Außerdem sind wir noch kurz bei Väterchen Rhein vorbei gehuscht.
Man bekommt den Kölner zwar aus der Stadt hinaus, aber die Stadt nie aus dem Kölner raus!
Der Gatte ist ein glänzendes Beispiel dafür, und hat schon jedes mal Sehnsucht bevor der Koffer auch nur gepackt ist.

Überschattet wurde dieser Tag durch eine etwas seltsame Begebenheit bei einem Facharzt.
Mich ärgert es etwas, dass sich gegenüber einem (in diesem Fall sogar leidtragenden) Patienten sehr abfällig über den Kollegen von der Uniklinik geäußert wurde.
Das aktuelle Problem welches mit der OP korrigiert werden sollte, stellte sich bereits kurz nach der OP 2015 ein und wurde seitdem sehr genau beobachtet. Es ist also beileibe nichts akutes was neu aufgetreten wäre. Doch obwohl der Facharzt die MRT Bilder von vor der OP (auf der selbst ich als Laie das massive Problem erkenne) und den Bericht der Klinik mit entsprechnden Fachberiffen und den Auswirkungen dessen vor sich liegen hat, kommen dann Sätze wie "was nützen einem schöne MRT Bilder wenn der Patient dann nicht mehr laufen kann".
Ich empfinde es als absolutes Unding, solches vor dem Patienten zu äußern. Oder diesen Twist gar über den Patienten mit dem Kollegen aus zu tragen! Zumal aus der Diagnose heraus ab zu leiten ist, dass der Gatte in Kürze wieder eine schleichende Verschlechterung bis hin zur totalen Lähmung erlitten hätte. Von einem Facharzt erwarte ich echt etwas mehr Kompetenz und Diskretion!


Als der Gatte dann (endlich) zur Reha gefahren wurde, und ich versucht habe meinen Alltag mit den gewohnten Strukturen wieder her zu stellen, komme ich eines Mittags vom Einkaufen heim und finde ein Päckchen auf dem Tisch.
Eine liebe Blog- sowie Facebook- als auch Instagram-Freundin hat mir ein kleines Mut Mach Paket mit bereits gewickelter Wolle geschickt. Zum Sofort Los stricken! Und eine davon sieht sogar aus, als wenn sie ein kompliziertes Muster vertragen würde.
Ach Mensch, ich war so überwältigt, ich habe erst mal Heulen müssen.

Leider habe ich die letzten drei Wochen so gar keine Zeit zum stricken gefunden. Und daran wird sich auch weiterhin nicht viel ändern, denn ich werde mit dem Fast Teenager nach Hamburg zum Miniatur Wunderland fahren.



Schon im April hatte der Gatte diese Reise geplant. Und eigentlich wollte er selbst diese Reise mit dem Fast Teenager machen. Weil er selbst ein bißchen Spaß dran hat und mit seinem Behinderten Ausweis außerdem einige Vergünstigungen bekommen hätte.
Damals ahnten wir leider noch nicht, was diesen Sommer auf uns zu kommen sollte. Und bis zuletzt haben wir gehofft, dass der Gatte die Reise doch würde an treten können.

Nunja, wir haben dann recht spontan alles auf mich umgebucht, und nun werde ich mit dem Fast-Teenager nach Hamburg fahren. Mit dem PTC im Kopf eine echte Herausforderung für mich, und leider auch jenseits von Entspannung und Erholung. Fremde Umgebung, viele ungewohnte Reize, und außerdem soll es auch noch richtig heiß werden!
Außerdem habe ich ein bißchen Sorge, ob ich es schaffen werde mich wie gewohnt zu ernähren, damit weder Kopf noch Darm aus ticken. Aber alles zu stornieren und auf irgendwann zu verschieben, wollte ich dem Fast Teenager auch nicht an tun. Die Jungs haben durch die Erkrankung des Gatten schon genug zu leiden.


Dienstag, 19. Juni 2018

Dies und Das und Dinge die man nicht braucht!

Im letzten Dies und Das und..... berichtete ich von meinem Verdacht an PTC (Pseudo Tumor Cerebri) erkrankt zu sein.
Was das für Auswirkungen haben kann, wird auf DIESER SEITE sehr eindrucksvoll beschrieben.
Eine Symtombeschreibung, die zuletzt in etwa zu 90% auch auf mich anwendbar war.

Zwei Monate sind vergangen, seit ich das erste mal von PTC hörte und las.
Zwei Monate, in denen ich viel am PC gesessen und recherchiert habe. Das wunderbare am Internet ist, dass einem unendlich viele Informationen zur Verfügung stehen, wenn man nur weiß wonach genau man zu suchen hat.  Informationen, mit denen man dann arbeiten kann um etwas zu verändern.

Seitdem ist ein kleines Wunder geschehen.
Ich bin endlich wieder klar im Kopf. Und Woche für Woche geht es mir ein klein wenig besser.
Die Fitness kehrt zurück, ich bin wieder deutlich aktiver, habe wieder etwas mehr Elan und Motivation, und bin nicht mehr immerzu nur müde und erschöpft.
Ich finde wieder zu mir selbst zurück!
Es ist wirklich eine große Erleichterung zu wissen, dass es für all meine Probleme einen Grund gab. Eine organische Ursache. Und dass es eben nicht nur an meiner Psyche lag.
Der Alltag funktioniert wieder deutlich besser, und ich habe sogar wieder etwas Energie übrig um mich in der Küche aus zu toben. In den letzten Wochen gab es bereits wieder die ein und andere Köstlichkeit, auf die wir lange verzichten mussten weil ich es einfach nicht mehr hin bekommen habe.

Leckere Brioche Hörnchen mit Nutella Füllung.


Versunkener Apfelkuchen mit Orangen Zimt Streuseln.



Das Opal Abo von Ende Mai hat mich dieses mal leider erst mit erheblicher Verzögerung im Juni erreicht. Irgendwie hat DPD die Auslieferung nicht gebacken bekommen! Und der Kundenservice war leider auch nicht all zu hilfreich. Aber gut, da kann Opal ja nichts für.

Die Wolle jedenfalls ist wieder wunderschön!
Die ersten vier Knäul sind absolute Volltreffer, und verbleiben in meinem Stash. Die letzten beiden Knäul sind aufgrund der breiten Streifen überhaupt nicht mein Geschmack, und gehen zu einer Freundin welche daraus Babyjäckchen für karitative Zwecke stricken wird.



Weil mein Kopf sich endlich wieder aufklart, und damit auch meine Motivation und mein Elan zu mir zurück kehren, habe ich mir ein paar neue Herausforderungen gesucht.
Unter anderem möchte ich Topflappen häkeln lernen, und habe mir deswegen ein Einsteiger Set und ein bißchen buntes Garn dazu gegönnt.
Mal sehen wie das endet. Als ich vor Jahren "nur" Socken stricken lernen wollte, hätte ich auch nicht gedacht dass ich einmal zum Sockenspezialisten mutieren würde.


Außerdem habe ich mir einen Schwung Uni Sockenwolle von Opal liefern lassen.
Zum einen, weil ich dann immer passende Kontrastfarben für die Abo Knäule im Stash habe. Zum anderen, weil ich mich nun endlich mal ans Soxx Book wagen möchte welches ich vor Weihnachten geschenkt bekommen habe.



Nach vielen vielen Wochen, und ebenso vielen Besuchen in Fachmärkten, hat es endlich "KLICK" gemacht und ich habe mich für eine neue Kamera entschieden.
Es ist eine Nikon D5300, in Kombination mit einem AF-S DX 18 - 105 VR Nikkor geworden.

Damit habe ich nun den Schritt zu einer Spiegelreflex Kamera gewagt!
Ein lange gehegter Traum, von dem ich die letzten drei Jahre manchmal nicht mehr geglaubt habe dass er jemals wahr werden würde. Doch die Preisspanne von einer der besseren Bridge Kameras zu den Spiegelreflex Kameras war nicht mehr so enorm, als dass man diesen Schritt nur aufgrund der Kosten nicht hätte wagen sollen.

Leider ist so ein kompletter Symtemwechsel echt hart.
Immerhin habe ich nicht nur den Kameratyp sondern auch den Hersteller gewechselt. Und die Nikon ist wirklich sehr viel komplizierter zu bedienen als die alte Fujifilm.  Dafür jedoch hält auch ein unendliches Mehr an Möglichkeiten bereit.
Die ersten Tage war ich allerdings hoffnungslos überfordert. So habe ich es nicht einmal gecheckt, wie man willentlich den automatischen Blitz deaktiviert. Das ist schon sehr frustrierend! Deshalb habe ich mir dann außerdem noch das Handbuch zur Nikon D5300 geholt. Eine wirklich lohnende Invenstition, wenn man noch nie zuvor eine Nikon in der Hand hatte.


Passend zur Kamera habe ich mir endlich einmal Visitenkarten drucken lassen.
Ich bin schon so oft angesprochen worden, wenn ich mit meinen Socken zum Outdoor Shooting durch Köln unterwegs war. Und immer habe ich mir vorgenommen, mir Karten drucken zu lassen. Wieder daheim war dieser Gedanke allerdings meist schon wieder weg. Nun habe ich dies endlich umgesetzt, und kann demnächst jedem Interessierten einfach meine Karte in die Hand drücken.



Und nun zu den Dingen, die man NICHT braucht:
Mir macht das Schwül warme Gewitter Wetter der letzten Wochen arg zu schaffen.
Zum einen wirkt sich das natürlich auf meinen Kopf, sprich auf den Hirndruck aus, und das ist alles andere als angenehm. Zum anderen kann ich bei diesem Wetter kaum vernünftig Socken stricken. Das Garn nimmt die Feuchtigkeit der Luft und der schwitzenden Hände auf, und dann blockiert es zwischen den Fingern, gleitet nicht mehr und ich komme keine drei Maschen weit ohne dass es klemmt.
Üblicherweise gehe ich in den Sommer Monaten in Sommer Pause und stricke dann andere Projekte, bei denen ich Merino Qualitäten oder Edelgarne mit großen Nadeln stricken kann. So wie diesen tollen Retro Rib Shawl von The Knitting Me. Aber es frustriert mich ungemein, dass dieses Jahr bereits Ende April bzw. Anfang Mai Schluss war mit Socken stricken.



Was man ebenfalls nicht braucht, ist eine fette Infektion wenn das Kind beim Schulkonzert mit singt.
Besonders tragisch wird dies, wenn durch die PTC Problematik plötzlich alle Mittelchen tabu sind, mit denen man sich sonst in einer solchen Situation beholfen hätte.
Mit Atemnot und Schnodderseuche in einer vollen, heißen und stickigen Schulaula zu sitzen ist ein Erlebnis dass ich so schnell nicht wieder brauche. Aber wenn dein Kind da oben steht und singt, dann sitzt Du im Publikum und klatscht bis die Hände wund sind, egal wie Scheiße es Dir gerade geht. So will es ein ungeschriebenes Familiengesetz! Denn das ist so unglaublich wichtig für dein Kind.



Und das, was wir am allerwenigsten gebraucht hätten, ist eine erneute OP beim Gatten!
Es lief ja auch gerade mal so richtig gut!
Prüfung bestanden, Arbeitsvertrag bekommen, gut im Job angekommen, und endlich Harz4 los geworden. Ein paar wenige Monate war es echt entspannt bei uns, und wir hatten ein fast normales Leben.

Aber es entwickelt sich etwas in eine Richtung, was den Ärzten echt Sorgen macht. Und die OP soll verhindern dass es wieder so dramatisch wird wie in 2015 wo der Gatte quasi schon im Rollstuhl saß und wir eigentlich nichts mehr zu verlieren hatten.
Derzeit ist der Gatte fit und mobil wie nie zuvor seit seiner Erkrankung, und diesen Zustand möchten die Ärzte einfach möglichst lange erhalten. Wir haben sogar die vage Hoffnung, dass sich die  OP Folgen dieses mal in Grenzen halten und der Gatte ohne lange Reha in wenigen Wochen wieder fit ist. Aber gewisse Sorgen und Ängste sind natürlich trotzdem vorhanden.





Donnerstag, 14. Juni 2018

Wohlfühlsocken für Ricky

Manchmal ist man mit seinem Schicksal ja nicht alleine. Und wenn das so ist, stricke ich häufig noch Partnersocken zu meinen Tröstesocken. So hat der liebe Micha zu seinen Wohlfühlsocken außerdem noch Wohlfühlsocken für seinen Freund Ricky dazu bekommen.


Gewünscht waren die Farben Gelb und/oder Grün.
Eine ungewöhnliche Kombination, die nur recht selten zusammen auf Sockenwolle zu finden ist. Aber zum Glück hatte ich etwas passendes in meinem Stash. Zwar ist hier etwas Rot mit dabei, aber das störte nicht weiter.


Kombiniert habe ich den tollen handgefärbten Strang Piratenwolle mit ein wenig Trekking Sockenwolle aus dem Hause Lütt Wollhus, welcher ebenfalls handgefärbt war.
Piratenwolle findet ihr wahlweise auf Dawanda, oder auf Etsy. Ganz wie euch beliebt.
Das Lütt Wollhus ist dagegen ausschließlich bei Facebook zu finden.


Heraus gekommen sind ganz und gar einmalige, und wunderschön wildernde Socken.
Ich habe kaum gewusst, von welcher Seite ich sie nun fotografieren soll!
Jeder Socken für sich alleine ist schon ein Kunstwerk, und das obwohl ich ohne großes Muster gestrickt habe.


Auch für Ricky habe ich in Größe 44 stricken (müssen).
Und auch hier habe ich mit 17 Maschen pro Nadel gearbeitet, und musste daher irgendwo eine zusätzliche Masche je Nadel in dem Rippenbündchen unter bringen.


Weil es Partnersocken werden sollten, und ich dann versuche immer irgendetwas gleich zu gestalten, sind es nur Stinos geworden. Da die Socken für Micha eben auch schon Stinos waren, und ich sonst keine Gemeinkeiten mehr hätte einbauen können.
Das tolle Garn von Piratenwolle hätte mit seiner Maserung aber bestimmt auch ein paar dezente Zöpfe an den Seiten vertragen.


Ihr kennt das schon: eine Herzchenferse!


Auch hier musste ich die Sockenspitze wieder irgendwie kreativ in Szene setzen.
Gestrickt habe ich eine einfache Bandspitze.


Last, but noch least:
Die zu den Socken passende Mini Socke.


Geshootet habe ich in Köln Deutz auf einem Stück der Rheinkehlmauer, welche die Überbleibsel einer preußischen Befestigungsanlange aus dem Jahre 1818 ist.
Von hier aus hat man einfach nur einen grandiosen weiten und offenen Blick auf die Severinsbrücke, den Rheinauhafen und den darin liegenden Kranhäusern.


Außerdem ist es ein geschichtsträchtiger Ort. (Was in Köln ja nicht all zu selten ist.)
Denn hier liegt die Wiege des deutschen Schäferhundes!

In den 1890er Jahren war der junge Rittmeister Max von Stephanitz in Deutz stationiert.
Eines Tages beobachtete er einen Schäfer bei seiner Arbeit, und erkannte gewisse Parallelen zu seinem Dienst beim Militär. Den Schäfer sah er als Kommandanten, den Hund als Meldereiter und die Schafe als die Fußsoldaten einer Armee.
Besonders fasziniert war Stepahnitz wohl von dem Hütehund, weil dieser die kurzen Rufe seines Herrn mühelos verstand und umgehend umsetzte. Jedoch gab es seinerzeit keine einheitliche Rasse, sondern viele verschiedene Arten an Hütehunden.
1898 erwarb Stephanitz einen Frankfurter Zuchtrüden, welcher mit dem Namen Horand von Grafrath im Zuchtbuch geführt wurde. Dieser sollte unter Stephanitz zum Stammvater aller deutschen Schäferhunde werden.


Obwohl es beim Shooting im Februar eisig kalt war, wurde mir beim Fotografieren so dermaßen heiß dass ich kurzfristig meine Jacke ab legen musste. Eine Begleiterscheinung des doofen PTC, aber das war mir im Februar noch nicht bewusst.



Freitag, 8. Juni 2018

Wohlfühlsocken für Micha

Manchmal schließe ich Menschen in mein Herz, die eigentlich gar nicht richtig kenne.
Weil mir ihr Schicksal nahe geht. Weil ich nun einmal verdammt noch mal weiß, wie Schicksal sich an fühlt!
Und dann stricke ich fix ein paar Socken. Zur Aufmunterung. Als Seelentröster. Oder einfach als Wohlfühlsocken. So wie dieses Paar hier.


Als Lieblingsfarben wurden mir Blau und Rot angegeben.
Schön, dass in meinem ersten Opal Abo im Dezember 2017 genau solch ein Knäuel enthalten war.


Kombiniert habe ich es mit einem Knäuel Opal Schafpatenwolle, aus der Serie die romantische Alb, Hütehund, Farbe 9201.


Gestrickt hatte ich diese Socken bereits zu Beginn des Jahres.
Geshootet habe ich im Februar, bei eiskalten Temperaturen, aber dafür herrlich klarem Himmel.
Und angekommen sind die Socken auch schon lange. SEHR LANGE!
Nur haben sie es bisher leider noch nicht in den Blog geschafft.


Das Bündchen wurde flexibel angeschlagen, und besteht aus Rippen.
Da ich in Größe 44 mit 17 Maschen pro Nadel arbeiten musste, habe ich pro Nadel je eine Rippe aus 3 rechten Maschen eingearbeitet.


Weil es mir zu Beginn des Jahres echt sehr sehr mies ging, und ich kaum geradeaus denken konnte, sind es nur Stinos geworden. Muster hätten mich zu dieser Zeit schnell überfordert. Aber großartige Muster wären in der Ringelung der Wolle wohl auch schnell unter gegangen.


Wie so oft: Meine Lieblings Standard Herzchenferse!


Bei Größe 44 bleibt mir leider nichts anders übrig, als die Bandspitze als Übergröße zu fotografieren. Ist nun mal sechs Nummern zu groß für die Sockenfüße.


Leider hatte das Knäul schon recht früh einen Knoten im Verlauf.
Es fehlte eigentlich nur ein kleines bißchen, aber weil ich das noch nicht habe ab schätzen können habe ich lieber abgewickelt und neu angekettet. So habe ich das erste Knäulchen erhalten.
Das zweite Knäulchen ist bei der Suche nach dem Anfangspunkt für die zweite Socke entstanden. Und das dritte Knäulchen ergab sich, als ich nach einem passenden Rapport für das Mini Söckchen gesucht habe.


Ich verstricke meine Reste ja gerne auch noch in anderen Socken. Aber auf diese kleinen Knäulchen hatte ich wirklich keine Lust. Deshalb sind sie in die Spendenbox für den Textilunterricht des Fast Teenagers gewandert.

Und wie man sehen kann, habe ich mir den Aufwand der farblichen Synchronität nur im Hauptteil der Socken gegönnt. Das Hütehund Garn von Opal für Bund, Ferse und Spitze habe ich so verstrickt wie es gerade gekommen ist.


Geshootet habe ich in Köln Deutz, auf einem Stück der Rheinkehlmauer.
Das große Gebäude im Hintergrund ist der Lanxess Tower, welcher einst das Lufthansa Hochhaus gewesen ist, bevor diese 2007 das Gebäude verlassen hat um neue Räumlichkeiten gegenüber der Messe zu beziehen.


Fun Fact: Ich hatte beim Shooting einen sehr interessierten Zaungast.
Leider war die ebenso hübsche wie neugierige Nilgans nicht dazu zu bewegen, zusammen mit den Socken zu posieren. Auch wenn sie sich echt nah heran getraut hat.


Zu den Wohlfühlsocken für Micha, habe ich ein weiteres Paar Socken als Partnersocken angefertigt. Aber das erzähle ich euch in der nächsten Story.




Donnerstag, 31. Mai 2018

Socken für die Brautmutter

Gefühlt habe ich schon eine Ewigkeit keine Socken mehr gezeigt.
Und von den in diesem Jahr gestrickten Socken habe ich auch überhaupt noch gar nichts gezeigt.  Dabei haben wir schon Ende Mai!


Die Mutter meiner lieben Schwiegermutti in Spe, war immer sehr begeistert von meinen handgestrickten Socken, welche bei den Schwiegereltern schon mal herum lagen.
Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass gerade alte Damen handgestrickte Socken sehr zu schätzen wissen, wollte ich ihr zur Hochzeit ihrer Tochter eine Freude machen und ihr ebenfalls ein Paar handgestrickte Socken überreichen. Sozusagen als Willkommens Geschenk.


Das Bünchen habe ich flexibel angeschlagen und besteht aus 2 Rechts 2 Links Rippen.


Das Muster heißt "Socken Pink" ist auf der Website von Petra Schuster zu finden. (Bitte etwas runter scrollen.)
Allerdings habe ich je 1 Masche pro Nadel hinzu gemogelt, denn ich hatte die Info bekommen dass die Socken nicht zu eng sein dürften.

Zuerst hatte ich überlegt, ob ich nicht einfach eine linke Masche hinzu nehmen sollte. Aber das hätte einen sehr breiten linken Blog ergeben, neben dem das schöne Wellenmuster unproportional klein gewirkt hätte. Also habe ich mich für die kompliziertere Variante entschieden, das Wellenmuster um je eine Masche erweitert und Musterchart dazu entsprechend um geschrieben.


Nach meiner Lieblings Standart Herzchenferse habe ich die Spickelabnahmen je auf die dritte Masche gelegt, um die schöne geschwungene Welle weiter fort führen zu können.


Den Abschluss bildet eine unspektakuläre kurze Bandspitze.


Verstrickt habe ich diese drei 50g Knäuel Schachenmayr Regia Sockenwolle in den Farben 02260 und 02262.

Wie so oft zuvor auch schon, war ich mit dem Regia Sockengarn nicht wirklich zufrieden. Zu Rau, zu ungleichmäßig, und überhaupt. Was man leider auch im Maschenbild, und insbesondere an den Zunahmen sehen kann. Außerdem war es mir unmöglich im zweiten Knäul den zur ersten Socke passenden Anfangspunkt zu finden. Die Musterung der grau-blauen Rapporte ist so unregelmäßig, dass es zum Glück fast schon wieder gewollt aus sieht.

Ich weiß echt nicht was so viele Stricker/innen an diesem Garn toll finden!
Das einzige was mich dazu bewogen hat dieses Garn zu verstricken, waren die Farbwünsche.


Nichtsdestotrotz gab es auch aus diesem Garn ein kleines Mini Söckchen als Geschenk dazu.
Die Reste wandern jedoch nicht zurück in meinen Stash, sondern gleich in die Spendenkiste für den Textilunterricht des Fast Teenagers!


Geshootet habe ich zuerst im eigenen Garten, was leider Bilder ergeben hat die unter meiner Würde waren. Und dann noch ein zweites mal, kurz vor der Hochzeit der Schwiegereltern, am Sachsenring in Köln.


Hier steht ein ganz langer, nur grob zusammen gezimmerter Holztisch nebst passenden Bänken.
Die Initiative StadtLabor hat diesen Tisch 2017 zusammen mit der Initiative Stadtoasen im Rahmen einer Kunst Aktion dort aufgestellt, um den "Grünstreifen" in Bereich der südlichen Kölner Ringstraßen auf zu werten und als Lebensraum bewusst werden zu lassen.


Der lange Tisch ist satte 28 Meter lang, und steht jedem Kölner Bürger und Besucher frei zur Verfügung.
Eigentlich sollte der Tisch nur für sechs Monate dort stehen. Aber er steht immer noch.