Montag, 24. Februar 2014

Die Gitarre

Einst hatte die Gitarre ein aufregendes Leben. Zusammen mit einer Lehramtsanwärterin zog sie durch die Welt und beglückte mit ihrer Musik viele kleine und größere Kinder. Klassenfahrten, Lagerfeuer, Schulfeste, Weihnachtsfeiern, Geburtstage..... die Gitarre war immer dabei.
Doch dann kamen eine weitere Gitarren dazu. Unsere Gitarre wurde immer weniger genutzt, eines Tages zu ihrer eigenen Sicherheit auf den Dachboden der Schule gestellt, und dann vergessen.

Da stand sie nun. Allein. Der Staub der Jahre legte sich auf die vielen Schrammen und Kratzer ihres Holzes. Und eines Tages riss sogar eine ihrer Saiten. Die Gitarre fiel in eine Art Dämmerzustand und verschlief  viele Jahre ihres Daseins.

Irgendwann, nach vielen vielen Jahren, kam eine Scharr Kinderchen in den Dachboden gestürmt. Begleitet von der inzwischen alt gewordenen Lehrerin. Die Kinder wuselten lachend herum, entdeckten Schätze und trugen Kiste voller vergessenem Kram davon. Doch die Gitarre wurde nicht gesehen.  Leise schluchzte sie vor sich hin.

Doch eins der Kinder musste etwas gehört haben. Abseits von den anderen stehend schaute dieses Kindlein sich etwas genauer um als die anderen. So wurde die Gitarre schließlich entdeckt.
In stiller Ehrfurcht trat das Kindlein näher heran, streichelte vorsichtig das Holz des Klangkastens. "Das ist ja eine Gitarre!"

Nun wurde auch die Lehrerin auf ihre alte, vergessen geglaubte Gitarre aufmerksam. Mit viel Rührung im Herzen bemerkte die Lehrerin die aufkeimende Liebe zwischen dem Kindlein und der alten Gitarre. So nahm die Lehrerin die alte Gitarre mit hinunter ins Klassenzimmer und schrieb der Mutter des Kindleins einen Brief.

Das Kindlein flog auf dem Heimweg nur so dahin. Drei Tage sollte es dauern bis die Mutter Zeit finden würde die Gitarre in der Schule ab zu holen. Das Kindlein verbrachte diese Tage mit gespannter Vorfreude und Telefonaten mit dem Opa. Denn der Opa sollte dem Kindlein Unterricht geben, so der jedenfalls der Plan des Kindleins.

Der Gitarre ging es gut im neuen Zuhause. Sie wurde vorsichtig mit Möbelpolitur vom Schmutz der Jahre befreit, bis das Holz wieder glänzte.  Die Saiten wurden neu bespannt und der Opa stimmte die alte Gitarre fachkundig auf ihren neuen Lebensabschnitt ein. Die Gitarre erfüllte die Luft im Raum mit wohltönenden Vibrationen und dankte es so auf ihre Weise.
Das Kindlein und der Opa versanken gemeinsam im Glück der Musik. Das Kindlein, weil es nun eine eigene Gitarre besaß. Der Opa, weil er seinem Enkelkind die Liebe zur Musik vermitteln konnte.
Die Mutter hingegen schickt seufzend ein kleines Dankgebet an die Mächte des Universums hinaus  und ist einfach nur froh daß die Nachbarn im Haus über eine schier endlose Toleranz verfügen.

Eigentlich sei die Gitarre viel zu groß für das Kindlein, meinte der Opa schmunzelnd. Doch das Kindlein ist wie eine Hummel, die nicht weiß daß sie eigentlich gar nicht fliegen können dürfte. Das Kindlein zupft einfach an den Saiten und gerät in beglückende Verzückung. Die ersten Töne hat es schon gelernt. :-)




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