Donnerstag, 2. November 2017

Dies und Das und Bänderriss

Erinnert ihr euch noch an diesen Blogpost hier? 
Im September hatte ich mich auf die Nase gelegt und mir einen Bänderriss am linken Fuß dabei geholt!

Der Gatte war scheinbar sehr sehr neidisch.
Oder er gönnt mir schlichtweg die Erholungszeit auf der Couch bei Netflix nicht.
Nur 12 Tage später hat er es mir gleich getan, und sich bei seinem Sturz nicht nur beide Ellbogen angebrochen sondern auch gleich seine Schiene zerrissen, welche er am teilweise gelähmten Bein trägt.

Gut, beim Gatten können Stürze oder Unfälle durch die Gehbehinderung ja jederzeit passieren. Und die letzten Jahre haben wir sehr viel Glück gehabt. Aber warum zum Henker muss das ausgerechnet dann passieren, wenn ich selbst nicht fit genug bin um mich ausreichend kümmern zu können?


Das Geheimnis unserer Ehe ist eindeutig, dass jeder von uns neben der gemeinsamen Basis jeweils noch ein eigenes Leben haben darf. Im Umkehrschluß geht man sich dann, wenn man unfreiwillig längere Zeit zu Hause miteinander "gefangen" ist, schnell auf die Nerven.
Wir hatten beide nicht unerheblich Schmerzen, der Gatte konnte außer herum sitzen eigentlich NICHTS mehr machen, und ich habe mich mit meinem Bänderriss durch alles durch kämpfen müssen. Das setzt die Hemmschwelle für Reizbarkeit drastisch nach unten.

Sobald mein Fuß es auch nur halbwegs hergegeben hat, war ich mit Krücke und Handy auf einem kleinen Erkundungsgang für ein Socken Shooting unterwegs.
Ausgesucht habe ich mir das Areal rund um die Mülheimer Brücke in Köln. Im strömenden Regen! Und auch nur ganz wenige kleine Kilometerchen mit vielen Pausen. Völlig egal. Hauptsache DRAUSSEN! Und außerdem an "meinem" Rhein. Wenn auch auf der "falschen" Seite.


Leider ist das Wetter noch etliche Tage fies und unangenehm geblieben.
Um mein Gemüt bei Laune zu halten, habe ich diverse Sockenprojekte begonnen.
In den unendlichen Weiten des Internets bin ich auf Shoppersocken gestoßen, und habe diese in verschiedenen Ausführungen angestrickt.


Als das Wetter sich endlich besserte, und der goldene Herbst seine ganz Pracht zeigte, war ich sofort unterwegs um im Umfeld der Mülheimer Brücke meine Socken zu shooten.
Es war anstrengend, und schon nach drei von fünf Sockenpaaren konnte ich nicht mehr. Aber es hat soooo unglaublich gut getan!


Nach dem ersten Shooting habe ich die halbe Nacht gestrickt, um für den nächsten Tag noch ein weiteres Sockenpaar für ein zweites Outdoor Shooting fertig zu haben.

Ganz früh an einem Sonntagmorgen habe ich mich auf den Weg zum wunderschönen Blücherpark in Köln Bilderstöckchen gemacht. Und dort in der aufgehenden Morgensonne bei ganz fantastischen Lichtverhältnissen drei weitere Sockenpaare geshootet.


Als ich meine Bilder alle im Kasten hatte, bin ich noch ein wenig im Blücherpark geblieben.
Um das Licht und die Wärme zu genießen, in dieser tollen Herbststimmung zu verweilen, und um meinen Fuß ein wenig auf das Laufen ohne Krücke zu trainieren.
Es hat einfach nur gut getan, sich langsam zumindest wieder ein bißchen bewegen zu können. Auch wenn das Gehumpel auf Dauer echt anstrengend ist.


In der Folgewoche ist das Wetter leider wieder um geschlagen. Also musste ich mich wieder Inddor beschäftigen. Ich habe die Zeit genutzt um mich mit Ravelry zu beschäftigen.
Nach fünf Jahren Hobby, bin ich nun endlich auch dort vertreten.
Warum das sooo lange gedauert hat?
Weil Englisch nicht wirklich zu meinen Stärken zählt. Und weil ich als Alternative ja schon immer meinen Weblog hatte. Aber nun habe ich mich hinein gefuchst, und an die 90 Projekte eingepflegt.

Wer mag, findet mich dort unter Photoauge01.


Der Gatte und ich waren dieser Tage einmal ganz gepflegt und in Ruhe zusammen frühstücken. Zwar nur im Ikea - ich schwöre, ich brauchte nur eine neue Pfanne - aber dafür innerhalb der Woche und außerhalb der Ferien.

Das haben wir seit der Gatte im Herbst 2015 mit der Umschulung begonnen hat, nicht mehr hin bekommen. Es war verdammt schön und hat uns echt gut getan!
So konnten wir dem doppeltem Unfallpech letztlich doch auch noch etwas Gutes abgewinnen.


Dann habe ich mich noch an einer neuen Technik versucht, mit der man ganz easy Restgarne zu tollen bunten Socken verstricken kann. Seit mindestens Sommer 2016 hatte ich die Gumgum Technik  auf meiner To Do Liste stehen, habe aber nie die Ruhe gefunden mich damit auseinander zu setzen.
Dabei wird spiralförmig abwechselnd so mit zwei Fäden gestrickt, dass dabei keine Übergänge oder überkreuzte Fäden entstehen. Bei YouTube findet ihr eine Videoanleitung dazu. Und außerdem bei Frau Strumpfbina eine schriftliche Anleitung.

Weil die liebe Frau Odersocke mich schon seit Wochen dazu verführt die verordnete Wolldiät zu brechen, indem sie gefühlt täglich tolle Bilder von wunderschönen handgefärbten Strängen zeigt, habe ich mir für meinen ersten Versuch ganz gezielt ihre Garne aus meinem Restestash heraus gesucht.

2015 hatte ich mit den Strängen Smaragsader und Harmonie Honig Partnersocken für den Seelenstreichler und dessen Mann gearbeitet. Nun werden die Restknäul davon zu tollen Alltagssocken für mich selbst.


In der Nacht als mein queerer Teenager geboren wurde, war es sehr stürmisch.
Das weiß ich noch ganz genau.

Stürmisch ist es auch 15 Jahre später, allerdings nicht immer nur draußen.
Geburtstag gefeiert haben wir trotzdem. Mit Regenbogen farbenden Kerzen auf Schokoladenkuchen, lieben Freunden und Geschenken.
Dieser Tage wird unserer Teenie dann im Fanshirt sein erstes echtes Konzert erleben.


Leider, leider, muss ich sagen dass ich mit dem Unfallchirugen, der mir von der Ambulanz zur Weiterbehandlung des Bänderrisses empfohlen wurde, sehr unzufrieden bin.

Die mitgegebene Orthese hat mir mehr Probleme gemacht, als sie nützlich gewesen wäre. Vermutlich weil diese Dinger auf schlanke Sportlerbeine geeicht sind. Leider habe ich aber kegelförmige Wuchtbrummenbeine. So hat mir die Orthese mit der festen Schale von hinten sehr schmerzhaft in den Muskel gehauen, während sie am Fuß selbst so locker war dass keinerlei Stützfunktion gegeben war. Laufen war mir damit jedenfalls nicht möglich.
In der Praxis war man der Meinung, ich müsse halt "ein wenig damit Üben". Möglicherweise bin ich auch wieder einmal ein Opfer der Vorurteile gegenüber übergewichtigen Menschen geworden. Man traut es mir einfach nicht zu, dass ich mich viel und ausreichend bewege. Denn sonst wäre ich ja nicht so, wie ich nun einmal bin.

Außerdem war der Arzt der Ansicht, so ein Bänderriss müsste nach 4 Wochen mit Orthese völlig verheilt sein, und der Fuß müsse nach spätestens 6 Wochen ohne Hilfsmittel oder Krücken aus kommen. Und das ganz unabhängig der Lebenssituation oder dem Körpergewicht.
Mein Fuß war  nach sechs Wochen jedoch weiterhin sehr instabil.
Dort wo eigentlich ein quer verlaufendes Collagenband sitzen sollte, hatte ich eine bewegliche Delle am Oberfuß. Und der Fuß war immer wieder geschwollen, wenn ich auf unebenem Gelände falsch aufgetreten bin. Außerdem konnte ich meine Fußmotorik nicht richtig steuern. So konnte ich den Fuß z.B. nicht korrekt ab rollen, und nur eingeschränkt willentlich mit den Zehen wackeln.
Ausgeheilt sieht für mich jedenfalls anders aus!

Viele Physiotherapeuten sind aufgrund ihrer Praxiserfahrung der Meinung, dass ein Bänderriss im Sprunggelenk einen Heilungsverlauf von mindestens 6 Monaten habe. Erst dann ist die ursprüngliche Stabilität der Collagenfasern ausreichend herangereift und der Fuß wirklich voll belastbar. Bis dahin sollte das Gelenk nur vorsichtig belastet, und weiterhin von außen unterstützt werden.
Geht man nach nur vier bis sechs Wochen gleich wieder in den alltäglichen Wahnsinn über, besteht ein hohes Risiko die frisch gebildeten neuen Bänder zu überlasten, wodurch sich unzähliche Mikroverletzungen der frischen Collagenfasern bilden.

Eigenverantwortlich trage ich nun solche Kinesologie Tapes.
Ich empfinde die Tapes wie eine Art Exoskelett. Sie stützen zwar nur bedingt, unterstützen jedoch in hohem Maße die Funktion der verletzten Bänder, ohne dabei den Bewegungsablauf ein zu schränken.

Schon am ersten Tag hatte ich eine deutlich verbesserte Motorik im Fuß.
Am zweiten Tag konnte ich spüren wie die Tapes Muskeln in Bein und Fuß aktivieren, welche ich wochenlang entweder gar nicht oder völlig falsch belastet hatte.
Nach vier Tagen konnte ich alle Funktion des Fußes wieder bewusst an steuern, wie z.B. mit allen Zehen zu wackeln. Außerdem hat die weiche Delle begonnen sich zu verfestigen.
Ich kann mich endlich wieder normal, ohne zu humplen, und auch ohne Krücke frei bewegen. Selbst Treppen sind kein Problem mehr!

Für draußen wickele ich den Fuß zusätzlich noch mit einer flexiblen Bandage, und ziehe meine selbst gestrickten Socken drüber. Das erhöht die Stabilität um ein vielfaches, und ich fühle mich einfach sicherer.
Ich werde sicherlich noch eine lange Zeit auf Schlaglöcher und Bordsteinkanten acht geben müssen. Und ich muss unbedingt auch weiterhin darauf achten, mir beim Einkaufen nicht zu viel Gewicht auf zu packen. Aber allein die Tatsache mich wieder fast normal und ohne Krücke bewegen zu können, ist unglaublich befreiend und erlösend!


Wirklich erschreckend fand ich, wie viele Menschen ganz ähnliche Erfahrungen mit ihrem Bänderriss und ihrem Unfallchirugen gemacht haben. Ich brauchte bloß erste Bilder und entsprechende Texte von meinem Taping auf den sozialen Medien im Web zu zeigen, und schon bekam ich etliche Anfragen dazu via Privatnachrichten!
Sind wir es etwa nicht mehr wert, mit unseren Schilderungen beim Arzt ernst genommen zu werden?
Müssen wirklich erst schlimme Folgeschäden auf treten, bevor ein Bänderriss mit der notwendigen Sorgfalt behandelt wird?


Auch der Gatte trägt inzwischen ein Tape.
An seinem Ellbogen, der selbst nach fünf Wochen noch nicht völlig ausgeheilt ist. Doch weitere Ausfälle sind nicht drin. Bald sind die Abschlußprüfungen! Fällt er weiterhin aus, waren die zwei Jahre voller Mühen und Lernen für Nichts!



1 Kommentar:

  1. Hallo,

    ich habe einen Teilweisen Bänderriss im Knie. Der wurde nicht behandelt. Nur Sportler sind es wert ordentlich behandelt zu werden. Wir üppigen sind ja selbst an unserer Misere schuld und müssen eben damit leben. Ich habe seit Jahren das Problem, dass ich im Winter schnell steif werde und meine Muskeln extrem weh tun. Da mich und meine Familie Autoimmunerkrankungen im Leben begleiten, liegt es nahe, dass es so etwas wie Rheuma ist. Aber meine Ärzte schauen mich an und tun dahingehend nichts. Ich bekomme Schmerzmittel verschrieben, die bei mir nicht wirken und die, die wirken, bekomme ich nur widerwillig verschrieben. Ich freue mich wieder auf die warme Jahreszeit, wo die Schmerzen weniger sind und ich mich besser bewegen kann. In unserer Gesellschaft zählt im Gesundheitswesen mehr, dass man schlank, als dass man Mensch ist.

    Deine Socken sind wunderschön und immer klasse in Szene gesetzt. Ich finde das einfach schön!

    Ich habe in Köln gelebt und auch gearbeitet, unter anderem in Deutz. Aber das Agnesveedel vermisse ich doch sehr. Darum finde ich es schön, durch deine Bilder immer wieder die Schönheiten der Stadt zu sehen.

    Viele Grüße
    Fiene

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